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09

Sep

2011

Die SBB vermeldet ein gutes Halbjahresergebnis dank Effizienzsteigerung und Sondereffekten

Die SBB brachte ihre Kundinnen und Kunden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres pünktlich und sicher an ihr Ziel. 91,6% (+2,9% gegenüber 2010) der Züge kamen mit weniger als drei Minuten Verspätung an. So konnte die SBB in 97,8% aller Fälle den Anschluss garantieren (+0,3%). Zudem ereigneten sich weniger Berufs-, Rangier- und Zugsunfälle. Jeden Tag waren rund 960 000 Menschen (+3,5%) mit der SBB unterwegs. Das Konzernergebnis liegt dank Effizienzsteigerungen und einmaligen Sondereffekten mit 166,5 Mio. Franken auf Vorjahresniveau. Die SBB will mit einer Reihe von Programmen im Umfang von rund 550 Mio. Franken ihre Effizienz und Produktivität in den nächsten Jahren weiter steigern. Dies ist notwendig, um zusammen mit zusätzlichen Einnahmen die höheren Trassenpreise kompensieren, die zur Bewältigung der wachsenden Mobilität notwendigen Investitionen in neues Rollmaterial aus eigener Kraft tätigen und gleichzeitig die Verschuldung stabilisieren zu können.

Die Kundinnen und Kunden waren mit der SBB öfter, pünktlicher und sicher unterwegs                                                                                                            Foto: Marcel Manhart

 

Die SBB konnte die Kundenpünktlichkeit gegenüber der Vorjahresperiode um 2,9% steigern. 91,6% aller Züge kamen mit weniger als drei Minuten Verspätung an. Dadurch konnte sie ihren Kundinnen und Kunden in 97,8% (+0,3%) aller Fälle die Anschlüsse garantieren und erstmals das selber gesteckte Ziel von 97,5% übertreffen. Erfreulicherweise konnte auch das Sicherheitsniveau erhöht werden: sowohl bei den Zugs-, als auch bei den Rangier- und Arbeitsunfällen schnitt die SBB besser ab als 2010. Insgesamt transportierte sie im ersten Halbjahr 2011 fast 175 Millionen Passagiere, dies sind rund 960 000 Kundinnen und Kunden pro Tag. Damit ist die Zahl gegenüber dem ersten Semester 2010 noch einmal um 3,5% oder 5,9 Mio. Passagiere gewachsen. Die Zahl der GA-Besitzer ist im Vergleich zum ersten Semester 2010 um 18 600 (+4,6%) auf 423 600 gestiegen, die Zahl der Halbtax-Besitzer um 53 000 (+2,3%) auf 2,34 Mio.

Leistungsausbau im Fern- wie auch im Regionalverkehr
Die SBB hat ihre Leistung sowohl im Fernverkehr (zum Beispiel zusätzliche Verbindungen nach Wien und Paris, zusätzliche Züge zwischen Zürich und Chur) als auch im Regionalverkehr (unter anderem Angebotsausbau in der Region Zürich und neue Züge in der Romandie) weiter ausgebaut. Entsprechend stieg die Zahl der gefahrenen Personenkilometer auf 8,7 Milliarden (+2,6%). Im Güterverkehr sank die Zahl der Netto-Tonnenkilometer um 3,6% auf 6,4 Milliarden.

Auch bei der ökologischen Nachhaltigkeit, einem von neun Konzernzielen, ist die SBB auf Kurs. So können durch bisher umgesetzte Energieeffizienzmassnahmen 133 GWh Strom pro Jahr eingespart werden. Dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 33 250 Haushalten.

Das Konzernergebnis liegt auf Vorjahresniveau
Die SBB weist für das erste Halbjahr 2011 mit 166,5 Mio. Franken ein Konzernergebnis im Rahmen des Vorjahres aus (2010: 165,9 Mio.). Neben dem Ergebnis von 121,5 Mio. aus operativen Tätigkeiten trugen Sondereffekte im Umfang von 45 Mio. (unter anderem vorgezogene Immobilienverkäufe in der Höhe von 16 Mio.) zu diesen Resultat bei. Beim Personenverkehr hat sich das Ergebnis gegenüber 2010 um rund 60 Mio. Franken auf 94,4 Mio. Franken verschlechtert. Den Mehreinnahmen durch die Erhöhung der Tarife und den Mehrverkehr (+60 Mio. gegenüber 2010) standen vor allem Mehrbelastungen durch höhere Trassenpreise (-44 Mio.), höhere Personalkosten, Abschreibungen und Finanzeffekte gegenüber. Bei der Infrastruktur beträgt das Ergebnis 31,5 Mio. Franken (2010: -11,2 Mio.), bei den Immobilien 32 Mio. Franken (2010: 64,4 Mio.) und beim Güterverkehr -7,2 Mio. Franken (2010: -49,5 Mio.). SBB Cargo verbesserte das Ergebnis gegenüber der Vorjahresperiode um 42,3 Mio. Franken. Dabei profitierte sie von grösseren Einmaleffekten und verbesserter Produktivität. SBB Cargo senkte den operativen Aufwand über Effizienzsteigerungen und konnte dadurch den tieferen Betriebsertrag (-25 Mio.) überkompensieren. Dieser Umsatzrückgang ist auf den schwachen Euro, die Aufhebung von nicht profitablen Geschäften sowie Konkurse wichtiger Kunden zurückzuführen.

Die SBB wird ihre Produktivität und Effizienz weiter steigern
Um die steigende Nachfrage decken zu können, muss die SBB in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Franken pro Jahr in neues Rollmaterial investieren. Hinzu kommen weitere Trassenpreiserhöhungen von rund 170 Mio. Franken pro Jahr ab 2013 und zusätzliche rund 85 Mio. Franken ab 2017. Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, muss die SBB ihre Ertragskraft erhöhen – ansonsten droht die verzinsliche Verschuldung von aktuell rund 8 Milliarden Franken weiter anzuwachsen. Dafür braucht es zusätzliche Einnahmen, aber auch weitere Effizienzund Produktivitätssteigerungen. Massnahmen im Umfang von rund 550 Mio. Franken sollen diesem Ziel Rechnung tragen: Bis 2017 wird die SBB ihre Struktur- und Verwaltungskosten um rund 220 Mio. Franken oder einen Fünftel reduzieren. Dieses Programm ist im Grundsatz mit der Personalkommission und den Sozialpartnern abgesprochen und wird momentan in engem Dialog mit ihnen konkretisiert. Zudem wird die SBB im Bereich Güterverkehr Sanierungsmassnahmen im Umfang von 80 Mio. Franken realisieren. Mit Effizienzsteigerungen wird sie zudem die Leistung des Bereiches Infrastruktur bis 2016 um 250 Mio. Franken erhöhen und die öffentliche Hand entsprechend entlasten.

Angebotsausbau im Fern- und Regionalverkehr

Der Bund rechnet damit, dass sich die Mobilität bis 2030 um 50%, in den städtischen Agglomerationen gar um 100% erhöhen wird. Die SBB wird deshalb, auch angesichts unvermindert steigender Passagierzahlen, ihr Angebot und ihre Kapazitäten in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Ab 2012 werden die neuen Doppelstockzüge im Regionalverkehr eingesetzt, ab 2013 neue, 400 Meter lange Doppelstockzüge im Fernverkehr. In den grossen Agglomerationen werden mehr S-Bahnen unterwegs sein, dazu kommen auch Fahrplanverdichtungen im Fernverkehr wie zum Beispiel der Halbstundentakt zwischen Zürich und Schaffhausen. Mit der Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Zürich, des Gotthard-Basistunnels, der neuen Linien Cornavin–Eaux-Vives–Annemasse und Mendrisio–Varese zwischen 2013 und 2016 können das Angebot in den Agglomerationen Zürich, Genf und Lugano, auf der gesamten Ost–West-Achse, aber auch im Nord–Süd-Verkehr weiter und substanziell ausgebaut und die Fahrzeiten markant gesenkt werden. Hinzu kommen Komfortverbesserungen in den Zügen wie Steckdosen in allen 1. Klass-Wagen, besserer Handy-Empfang, elektronische Sitzplatzreservationen, visuelle Fahrgastinformation und Familienwagen in jedem Intercity-Zug. Zudem ist die SBB daran, ihre Bahnhöfe und Bahnhofareale im ganzen Land zu modernisieren und weiter zu entwickeln.

SBB unterstützt den Bahninfrastrukturfonds des Bundes
Der Bundesrat schlägt im Rahmen der Vorlage „Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur“ (FABI) vor, den Betrieb, Unterhalt und Ausbau des Bahnsystems künftig aus einem einzigen Bahninfrastrukturfonds zu finanzieren. Die SBB begrüsst dies ausdrücklich und setzt sich dafür ein, dass die dringenden Engpässe im Schienennetz beseitigt werden und das Sitzplatzangebot deutlich erhöht wird. Für den geplanten ersten Ausbauschritt bis 2025 sind aus Sicht der SBB 5,7 Mia. Franken nötig. Ein zentrales Anliegen ist der Bau des Chestenberg-Tunnels, welcher den dringenden Engpass zwischen Olten und Zürich beseitigt und einen beträchtlichen Nutzen für das gesamte Schienennetz bringt.

Für eine solide, nachhaltige Finanzierung des öffentlichen Verkehrs sind die Bahnunternehmen, aber auch die Kundinnen und Kunden, der Bund und die Kantone, die alle von einem effizienten System profitieren, gemeinsam gefordert.

 

 

VCS appelliert an SBB: Trassenpreiserhöhungen nicht auf Kundschaft überwälzen

Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz zeigt sich erfreut über das gute Halbjahresergebnis der SBB. Ein deutliches Zeichen, dass der öffentliche Verkehr in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte ist. Der VCS appelliert an die SBB, die vom Bundesrat jüngst beschlossenen Trassenpreiserhöhungen nicht direkt auf die Kundschaft zu überwälzen.

Eine Woche ist es her, seit der Bundesrat entschieden hat, die Trassenpreise im Schienenverkehr weiter zu erhöhen. Diese Massnahme ist Teil des Pakets «Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur» (FABI), das der Bundesrat als Gegenvorschlag zur VCS-Initiative «Für den öffentlichen Verkehr» vorgelegt hat. Es gilt deshalb, einen Preisschock im öffentlichen Verkehr zu vermeiden.

Der VCS appelliert an die Transportunternehmen, die Erhöhung der Trassenpreise nicht vollumfänglich auf die Kundschaft zu überwälzen. Handlungsspielraum besteht für die SBB beispielsweise im Fernverkehr, wo sie seit Jahren stolze Gewinne erwirtschaftet. Es widerspricht sowohl der langjährigen und bewährten Verkehrspolitik der Schweiz als auch den langfristigen Interessen der Transportunternehmen, die in den letzten Jahren gewonnene Kundschaft zu vergraulen und zu verlieren.

Einseitige Verteuerung
Wenn die SBB die entstehenden Mehrkosten vollumfänglich auf die Kundschaft überwälzt, wird das Bahn fahren in den nächsten zwei Jahren um 9 Prozent teurer. Und darin sind die geplanten Preiserhöhungen für neues Rollmaterial nicht einmal eingerechnet. Zählt man diese hinzu, steigen die Billetpreise bis 2013 im Fernverkehr um mindestens 11 Prozent.

Umweltverträgliche Bahnfahrten werden so einseitig verteuert, ohne gleichzeitig lenkende Massnahmen beim Strassenverkehr in die Wege zu leiten. Bundesrat und SBB nehmen in Kauf, dass künftig wieder mehr Bahnreisende aufs Auto umsteigen. Umweltpolitisch ist dies ein völlig falsches Zeichen, denn 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Schweiz stammen heute aus dem Strassenverkehr. Die Notwendigkeit, mehr Menschen mit Bahn und Bus anstatt mit dem Auto zu befördern, ist nach wie vor gross.

Damit die Preise im öffentlichen Verkehr angehoben werden können, muss zuerst die Weichenstellung mit der politischen Diskussion über die Volksinitiative «Für den öffentlichen Verkehr» abgewartet werden. Diese zeigt auf, wie die benötigten Infrastrukturen für Bahn und Bus zukünftig finanziert werden können – und zwar ohne neue Steuern und ohne überrissene Preiserhöhungen.

 

Stellungnahme transfair:
Gutes Ergebnis der SBB, für Euphorie besteht aber weiterhin keinen Grund

Die SBB präsentiert für das erste Halbjahr 2011 erfreuliche Zahlen. Der Gewinn kann mit 166.5 Millionen Franken auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Die Anzahl Reisende, die tagtäglich mit der SBB unterwegs sind steigt ein weiteres Mal an. Das Ergebnis ist positiv, darf aber nicht zur Euphorie verleiten. Infrastruktur und Rollmaterial verursachen immense Kosten. Die Sanierung der Pensionskasse ist noch lange nicht abgeschlossen. Und auch das Personal verdient endlich einmal wieder ein Zeichen der Wertschätzung in Form einer angemessenen Lohnerhöhung.

Die SBB steigert ihre Effizienz ein weiteres Mal. 91.6 Prozent der Züge erreichten im ersten Halbjahr 2011 ihr Ziel pünktlich, in 97.8 Prozent aller Fälle konnten alle Anschlüsse garantiert werden. Die Kunden wissen dies zu schätzen: Die Anzahl zurückgelegter Personenkilometer steigt weiter an, ebenso die Anzahl verkaufter GA und Halbtags-Abonnements. Dieser Effort widerspiegelt sich in den heute präsentierten Zahlen zum Halbjahresabschluss. Der Gewinn der SBB bleibt – auch dank Sondereffekten – mit 166.5 Millionen Franken auf dem Vorjahresniveau.

transfair ist froh über das positive Konzernergebnis. Der Personalverband kann die Verteufelung der Gewinne im Fernverkehr in der Preisdiskussion der letzten Wochen nicht nachvollziehen. „Gewinne im Fernverkehr sind unabdingbar“, stellt Hanspeter Hofer, Branchenleiter öffentlicher Verkehr klar, „wie soll sonst die SBB die anstehenden Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur und für die Rollmaterialbeschaffung bewältigen?“

Auch die Sanierung der Pensionskasse sowie der Unterhalt der Anlagen und Fahrzeuge müssen finanziert werden. Und schliesslich muss auch das Personal in den Genuss einer angemessenen, nachhaltigen Lohnerhöhung kommen, denn ohne seine Produktivitätssteigerungen wäre das gute Ergebnis gar nicht erst möglich geworden. Zudem erwartet transfair von der SBB, dass die Effizienzsteigerungsmassnahmen sozialverträglich und im gemeinsamen Dialog umgesetzt werden.

 

SEV-Haltung zum Halbjahresabschluss der SBB – SBB-Erfolg ist Erfolg des Personals

Einmal mehr präsentiert die SBB hervorragende Halbjahreszahlen. Für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV sind damit die Voraussetzungen für eine angemessene Reallohnerhöhung gegeben. Der SEV wird seine Forderung der SBB noch diesen Monat unterbreiten.

Erneut präsentiert die SBB einen Halbjahresgewinn von 166 Millionen Franken. Aufs ganze Jahr gesehen ist durchaus mit einer Verdoppelung des Gewinns zu rechnen. Für den Präsidenten der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Giorgio Tuti, ist klar: „Dieser Erfolg ist der Erfolg des Personals, das sich Tag für Tag in den Dienst der Kundinnen und Kunden stellt; eine angemessene Lohnerhöhung ist nun zwingend.“ Tuti betont, dass nach zwei Jahren mit Einmalprämien eine nachhaltige Lohnanpassung fällig sei: „Die Krankenkassenprämien heissen zwar Prämien, aber sie fallen nicht Ende Jahr wieder weg…“

Den angekündigten Effizienzsteigerungen steht der SEV offen, aber skeptisch gegenüber: „In gewissen Bereichen der SBB ist die Produktivität bereits bis an die Schmerzgrenze ausgereizt“, hält Tuti fest. Grundsätzlich ist ein Personalausbau erforderlich, da das prognostizierte Verkehrswachstum einen markanten Bedarf in der Kundenbetreuung auslösen wird. „Die Reisenden wünschen sich eine Bahn, deren Personal sichtbar ist – Geisterbahnhöfe, unbegleitete Züge und geschlossene Schalter sind der falsche Weg!“

 

Stellungnahme Pro Bahn Schweiz: Gute Zahlen und schlechte Nachrichten

Erfreulich stellt sich der Halbjahresabschluss der SBB dar, inbesondere sind die Dienstleistungen verbessert und damit Gründe für Kundenärger vermindert worden. Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs gratuliert den SBB zu den erzielten Fortschritten.

In diese gute Nachricht ist aber eine Botschaft eingebettet, die bei vielen SBB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ängste auslöst – nämlich die vorgesehenen Effizienz- und Produktivitätssteigerungen im Umfang von 550 Millionen Franken in den nächsten Jahren, die in aller Regel mit einem Stellenabbau verbunden sind. Wohl liegt es auch im Interesse von Pro Bahn Schweiz, dass die SBB ihre Dienstleistungen effizient erbringen und damit die Kosten in Grenzen halten. Wenn sich damit die vom Bundesrat verfügten Trassenpreiserhöhungen abfedern oder ganz vermeiden lassen, dann umso besser. Pro Bahn Schweiz gibt der Erwartung Ausdruck, dass allfällige Abbaumassnahmen sozialverträglich gestaltet werden.

 

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