Mo

27

Aug

2012

Eine "besondere Railjet-Version" ist derzeit in Sargans zu Besuch

Eine ganz besondere Railjet Garnitur erreichte heute kurz vor dem Mittag den Bahnhof Sargans und wird noch bis kommenden Freitag 31. August 2012 dort zu sehen sein. Der Grund dieses doch etwas aussergewönlichen Besuches ist die Dateneingabe für die zukunftsweisende "European Train Control System" - Technologie, kurz ETCS genannt.

Der "Kurz-Railjet" am Bahnhof in Sargans                                     Foto: Marcel Manhart

 

 

Heute kurz vor dem Mittag erreichte dieser ÖBB-Railjet von Buchs (SG) her kommend den Bahnhof Sargans. Eigentlich nichts besonderes, denn solche Züge erreichen das Sarganserland fahrplanmässig mehrmals täglich und bringen Reisende aus Budapest, Wien, Salzburg, Innsbruck und anderen Städten in die Schweiz. Besonders daran ist aber, dass dieser Zug hier in Sargans endete und nicht wie alle anderen Zürich Hauptbahnhof als Zugendbahnhof hatte.

 

Auf den ersten Blick fällt jedoch auf, dass diese Garnitur doch "etwas gar kurz" ist und deshalb unmöglich ein fahrplanmässiger Zug gewesen sein konnte. Ja es ist sogar die kleinst mögliche Kombination, die überhaupt möglich ist. Nur Lokomotive und Steuerwagen zusammenkuppeln geht nämlich gar nicht. Die Lok und der erste Wagen lokseitig haben nämlich eine normale Schraubenkupplung und die Wagen unter sich sind mit einer starren und verschraubten Kurzkupplung versehen. Der Grund des Besuches ist die Dateneingabe für die zukunftsweisende ETCS-Technologie. Noch bis zum kommenden Freitag, 31. August 2012 ist der Zug deshalb in Sargans, wo Spezialisten mit der Dateneingabe beschäftig sind.

 

 

Die Zusammensetzung der Garnitur

 

Steuerwagen Afmpz 73 81 80-90 715-1

2. Kl. - Wagen Bmpz 73 81 22-90 115-5

Taurus Lok 1116 201-5 "Spirit of Vienna"

 

 

Allgemeine Infos zur Zugsicherung auf dem schweizer Schienennetz

 

Die Führerstandssignalisierung ETCS Level 2 wird heute in der Schweiz auf Strecken mit Geschwindigkeiten grösser als 160 km/h eingesetzt. Das System wird in Zukunft auch in Europa vermehrt zum Einsatz kommen und den grenzüberschreitenden Zug-verkehr vereinfachen. Bis Ende 2017 ersetzt die SBB sämtliche Zugsicherungssyste-me auf ihrem Schienennetz mit der zukunftsweisenden ETCS-Technologie.

Die SBB ist die Betreiberin des am stärksten genutzten und belasteten Schienennetzes der Welt. Auf dem mehr als 3000 Kilometer langen Netz verkehren täglich zwischen 8000 und 9000 Züge, die rund 880'000 Reisende an ihr Ziel bringen. Zusätzlich transportiert die SBB auf ihren Schienen ein Gütervolumen von 150'000 Tonnen pro Tag.

Die Zugsicherung spielt eine bedeutende Rolle für einen jederzeit pünktlichen und sicheren Personen- und Güterverkehr in diesem dicht befahrenen Netz. Momentan werden in der Schweiz drei Systeme für die Zugbeeinflussung eingesetzt:

 

  • «Integra-Signum»: Dieses Warnsystem warnt den Lokführer beim Vorsignal, wenn er geschlossenes Signal zufährt oder wenn er die Geschwindigkeit reduzieren muss. Missachtet der Lokführer ein Haltsignal, wird der Zug automatisch gebremst. Dieses System kommt grundsätzlich bei allen Hauptsignalen auf dem ganzen Schienennetz zum Einsatz.

  • «ZUB»: Dieses System ergänzt Integra-Signum indem es die Geschwindigkeit des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignal kontinuierlich überwacht. Falls der Lokführer die Geschwindigkeit zwischen den Signalen nicht reduziert, erfolgt eine automatische Bremsung. Damit wird ein Halt vor einem Gefahrenpunkt (z.B. Kreuzung) sicherge-stellt.

  • «European Train Control System (ETCS) Level 2»: Bei diesem Zugsicherungssystem werden dem Lokführer die Fahrerlaubnis, Geschwindigkeitsangaben und Streckendaten im Führerstand angezeigt. Ausser einigen Merktafeln kann daher auf eine Aussensignalisierung verzichtet werden (Führerstandssignalisierung). Die Bewegungen der Züge sowie die örtliche Höchstgeschwindigkeit, die Höchstgeschwindigkeit des Zuges, die korrekte Fahrtstrecke und die Fahrtrichtung werden von der Streckenzentrale dauernd überwacht.

 

ETCS Level 2 im Einsatz

 

Momentan wird in der Schweiz die Führerstandssignalisierung ETCS Level 2 ausschliesslich auf Strecken mit Geschwindigkeiten grosser als 160 km/h eingesetzt. So wird dieses Zugssi-cherungssystem auf der Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist sowie im Lötschberg-Basistunnel eingesetzt. Die Neubaustrecke wird seit März 2007 mit ETCS Level 2 betrieben. Die SBB ist somit die erste Bahn Europas, die ein ETCS Level 2 System im fahrplanmässigen Vollbetrieb bei Zugfolgezeiten von zwei Minuten erfolgreich umgesetzt hat. Die Führerstandssignalisierung ETCS Level 2 wird zudem als Zugsicherungssystem im Gotthard- und im Ceneri-Basistunnel eingesetzt.

 

 

Ein Zugsicherungssystem für ganz Europa

 

ETCS Level 2 soll in Zukunft die Vielzahl der in den europäischen Ländern eingesetzten Zugsicherungssysteme sowohl technisch wie auch betrieblich vereinheitlichen und ablösen. Dies soll eine dichte, schnelle und grenzüberschreitende Zugführung in ganz Europa ermöglichen. Mittelfristig soll es im Hochgeschwindigkeitsverkehr Verwendung finden und langfristig im gesamten europäischen Schienenverkehr umgesetzt werden. In der Schweiz hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) daher die langfristige Strategie festgelegt, das Schienennetz von Integra-Signum und ZUB vollständig auf ETCS umzurüsten. In einem ersten Schritt wird bis 2017 das gesamte Normalspurnetz der Schweiz mit einem Projekt im Umfang von gut 300 Millionen Franken mit dem modernen Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 1 Limited Supervision ausgerüstet. Damit schafft die SBB für den grenzüberschreitenden Zugverkehr bereits heute die Voraussetzungen für einen vereinfachten Netzzuggang in der Schweiz.

 

 

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