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07

Apr

2010

Schweizer Eisenbahn-Grossprojekte auch 2009 gut auf Kurs

Die Eisenbahn-Grossprojekte in der Schweiz sind auch im Jahr 2009 gut unterwegs. Wie im Vorjahr sind die Termin- und Kostenprognosen für die NEAT, den Hochgeschwindigkeitsanschluss der Schweiz und die Lärmsanierung des Bahnnetzes konstant geblieben. Auch die Umrüstung der bestehenden Bahnstrecken auf das Zugsicherungssystem ETCS und die Abschlussarbeiten von BAHN 2000 kommen wie geplant voran, wie aus den neuesten Standberichten des Bundesamtes für Verkehr (BAV) hervorgeht.

Grosse Fortschritte machte im Jahr 2009 die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT). Ende 2009 waren 93,4 % des gesamten Vortriebs des Gotthard-Basistunnels ausgebrochen (141,8 von 151,8 Kilometer). Im September wurde die zweite Röhre zwischen Erstfeld und Amsteg durchschlagen, für Herbst 2010 wird der Hauptdurchschlag zwischen Sedrun und Faido erwartet. Ebenso wurden die Arbeiten am Ceneri-Basistunnel, dem zweiten Basistunnel auf der Gotthard-Achse, wie geplant weitergeführt. Der Ausbruch am Hauptlos des Ceneri-Basistunnels hat im Frühling 2010 begonnen.

Die Kosten- und Terminprognose für die NEAT sind gegenüber dem Vorjahr unverändert stabil. Das BAV rechnet weiterhin mit Endkosten von 18,7 Milliarden Franken (Preisstand 1998), womit der Verpflichtungskredit von 19,1 Milliarden Franken nicht ausgeschöpft ist. Auch die Prognose der Eröffnungstermine bleibt unverändert: Dezember 2017 für den Gotthard-Basistunnel und Dezember 2019 für den Ceneri-Basistunnel.

Der Lötschberg-Basistunnel der NEAT bewährte sich auch im zweiten Jahr seines fahrplanmässigen Vollbetriebs: Seit der Eröffnung sind rund 63'500 Züge durch den Tunnel gefahren. Die Auslastung lag bei 77 %, die Zuverlässigkeit der Infrastruktur weiterhin bei über 99 %.

 

Bedeutende Fortschritte beim Hochgeschwindigkeits-Anschluss

Auch beim Anschluss der Ost- und der Westschweiz an das europäische Eisenbahn-Hochleistungsnetz (HGV-Anschluss) gab es im vergangenen Jahr bedeutende Fortschritte. Mit der Fertigstellung der Bauarbeiten im Jurabogen (Strecke Lausanne/Bern-Paris) konnte ein weiteres Objekt dem Betrieb übergeben werden. Der Bundesrat genehmigte 2009 drei Finanzierungsvereinbarungen (Spange SOB, Doppelspur Hüntwangen - Rafz, Neigezug-Anpassung St. Gallen - St. Margrethen), und im April 2009 konnte die Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn für die Ausbauten Lindau-Geltendorf (Strecke Zürich-München) unterschrieben werden. Ende 2010 soll der Betrieb auf der beschleunigten Strecke Genf-Paris aufgenommen werden; dies verkürzt die Fahrzeit zwischen diesen Städten um rund eine Viertelstunde auf noch gut 3 Stunden.

 

Die Verpflichtungskredite werden voraussichtlich in allen Korridoren ausgeschöpft. Sollten Projektänderungen oder erschwerte Baubedingungen wider Erwarten zu höheren Kosten führen, müssten diese nach Möglichkeit innerhalb des Korridors kompensiert werden.

 

Abschlussarbeiten für BAHN 2000

Das Angebotskonzept BAHN 2000 erste Etappe wurde bereits im Dezember 2004 fast vollständig eingeführt. Mit der Wiedereinführung des zweiten Fernverkehrshalts pro Stunde in Lenzburg wurde das Angebotskonzept im Dezember 2008 definitiv umgesetzt. Im Jahr 2009 waren noch Abschlussarbeiten im Gang. Ziel ist es, bis Ende 2010 das Vorgehen für den Abschluss des Verpflichtungskredites für die erste Etappe von BAHN 2000 festzulegen. Die Kosten belaufen sich gemäss Prognose auf 5,9 Milliarden Franken (Preisstand 1993) und liegen damit 1,5 Milliarden Franken unter dem Verpflichtungskredit. Diese Mittel stehen im FinöV-Fonds für weitere Projekte zur Verfügung.

 

Lärmsanierte Güterwagen übertreffen Erwartungen

Beim vierten FinöV-Grossprojekt, der Lärmsanierung des Schweizer Bahnnetzes, wurden 2009 sowohl bei der Rollmaterialsanierung wie bei den baulichen Schutzmassnahmen gute Fortschritte erzielt. Die Lärmsanierung der Reisezugwagen ist abgeschlossen. Bei den Güterwagen sind bis Ende 2009 fast 5'500 Waggons der SBB auf lärmarme Bremsausrüstungen umgebaut worden, was 85 % des Bestandes entspricht. Ab Herbst 2009 begann die Lärmsanierung der rund 4000 Privatgüterwagen. Das BAV rechnet mit dem Abschluss der letzten Umrüstungen bis 2015. Kontrollmessungen, die 2009 durchgeführt wurden, ergaben, dass die sanierten Güterwagen die Lärm-Grenzwerte einhalten: die Lärmreduktion übertrifft die Erwartungen.

 

Bis Ende 2009 wurden im Rahmen der netzweiten Lärmsanierung insgesamt 124 Kilometer Lärmschutzwände gebaut. Bis zum Abschluss des Projekts werden es voraussichtlich rund 285 Kilometer sein. Bei den Gebäudemassnahmen wurden bisher 14'000 Fenster schallisoliert; weitere rund 30'000 sollen hinzukommen.

Das laufende Massnahmenpaket zur Lärmsanierung schliesst gemäss Prognose mit Endkosten von 1,267 Milliarden Franken (Preisstand 1998) ab, 32 % unter dem Verpflichtungskredit. Die verbleibenden rund 500 Millionen Franken sollen für weitergehende Massnahmen verwendet werden. Darüber soll im Verlaufe des Jahres 2011 eine Vernehmlassung durchgeführt werden.

 

Vollständige Umrüstung des Schweizer Bahnnetzes auf ETCS bis 2017

Zusammen mit den Berichten zu den FinöV-Projekten veröffentlichte das BAV den Standbericht zum europäisch standardisierten Signal- und Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System). Das auf der Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist und in den Basistunnel der NEAT verwendete ETCS Level 2 erlaubt kürzere Zugfolgezeiten und höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitiger Steigerung der Sicherheit. Zudem ist es die Grundlage für eine europaweite Interoperabilität der Eisenbahnen. In der Schweiz waren Ende 2009 über 600 Lokomotiven, Steuerwagen und Triebzüge mit ETCS-Ausrüstung im Einsatz.

 

Infrastrukturseitig wird ETCS in der Schweiz nach der erfolgreichen Einführung auf den Neubaustrecken Mattstetten-Rothrist und Lötschberg-Basistunnel in einer für Geschwindigkeiten bis 160 km/h angepassten Version (ETCS Level 1, Limited Supervision) auf dem gesamten Normalspurnetz zum Tragen kommen. Gemäss heutigem Stand soll die Bahninfrastruktur ab 2013 umgerüstet werden. Zuerst werden die Güterverkehrsachsen über die Bergstrecken am Lötschberg und am Gotthard bis 2015 umgerüstet, anschliessend das übrige Netz bis 2017.

 

 

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