Der Hotelzug THT 274 PAU CASALS ist im Zürcher Hauptbahnhof zwei Stunden vorzeitig weggefahren

Was tun, wenn der Zug schon weg ist, obwohl man pünktlich am Bahnhof ist? Eine Frage, auf die auch Blick.ch-Leserin Rosa-Maria G. keine Antwort aber viele Probleme hatte.

 

Bericht von Von Jennifer Rasper - Blick.ch

 

Rosa-Maria G. will nach Spanien. Im Schlafwagen mit dem Nachtzug (Trainhôtel)

THT 274 "PAU CASALS". Das Billett kostet 278 Franken. Am Montagabend wird die Hotelfachfrau von ihrer Tochter an den Zürcher Hauptbahnhof gefahren. 

Um 19.27 Uhr soll die Reise losgehen. Am nächsten Nachmittag sollte Rosa-Maria in Alicante ankommen.

Sollte. Denn es kommt kein Zug. Er hat auch nicht Verspätung. Der Zug fuhr zwei Stunden früher ab!

«Ich habe sowas noch nie erlebt. Wieso hat mir niemand Bescheid gegeben?» fragt die 66-Jährige irritiert. Sie geht mit der Tochter zum Bahnschalter. Dort ist die verfrühte Abfahrt bekannt. Man klärt Rosa-Maria G. auf, dass der Zug wegen einer Baustelle in Frankreich früher losfahren musste. Offenbar konnten nicht alle Reisenden rechtzeitig infomiert werden.

 

In Genf gestrandet statt in Barcelona
Immerhin: Die SBB dirigiert Frau G. und andere Betroffene nach Genf, Ankunft 22.15 Uhr. Dort warte ein Bus nach Lyon. In Lyon müsse der Nachtzug halten, sie könnten ihn noch erwischen. Doch die Sache hat einen Haken: Der Bus in Genf ist zu klein für alle stehen gelassenen Fahrgäste.

«Der Mitarbeiter sagte uns, dass sich vier Personen opfern müssten, sie sollten in Genf übernachten«, erzählt Frau G. Sie und drei weitere Passagier werden in einem 3-Sterne-Hotel einquartiert.

Am Dienstagmorgen um 9 Uhr besteigt Rosa-Maria G. endlich einen Zug von Genf nach Barcelona. Kein Schlafwagen, ein normaler Reisezug. Zwei Mal muss sie umsteigen und jedes Mal ihre Lage am Bahnschalter erklären. Denn ihr altes Billet ist ungültig. Sie hat ja den Zug verpasst. Auch wenn es nicht ihre Schuld war.

 

SBB: Wir können nichts dafür
Wie kann so etwas passieren? «Das ist kein Zug der SBB, wir verkaufen nur die Billets. Für etwaige Probleme wie geänderte Abfahrtszeiten oder Zugausfälle sind die Zugbetreiber verantwortlich», sagt Daniele Pallecchi, SBB-Presseverantwortlicher in Zürich gegenüber Blick.ch.

Der Nachtzug wird von einem Tochterunternehmen der spanischen Bahngesellschaft Renfe betrieben. Trotzdem habe die SBB sehr kundenfreundlich gehandelt, meint Pallecchi. Sie habe Busse und Übernachtungen organisiert.

 

RENFE: SBB sollte Schilder aufstellen
Blick.ch fragt beim spanischen Bahnunternehmen nach: «Uns tut die Situation schrecklich leid. Wir dachten, die SBB stellt Schilder am Bahnhof auf und weist die Fahrgäste auf die verfrühte Abfahrt hin», sagt Marta Pellicer, Pressesprecherin von Renfe.

Doch was bringen Schilder, wenn der Zug schon weg ist? Darauf weiss auch Renfe keine Antwort. Und Passagieren wie Frau G. ist so kaum geholfen. Sie war für die Reise nach Alicante fast 48 Stunden unterwegs.

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