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01

Jun

2010

Irrfahrt mit Bahn: Bub landet statt in Frankenmarkt in Frankfurt

Seinen Vater in Frankenmarkt wollte Tobias G. besuchen. Stattdessen landete der 14-Jährige in Frankfurt, weil ihm am Bahnhof Linz ein falsches Ticket ausgestellt worden sei. Tobias war stundenlang verschollen, die Eltern standen Ängste aus.

 

Von Gerhard Hüttner - Oberösterreichische Nachrichten vom 18. Mai 2010

Der ICE in Richtung Passau - Frankfurt                                          Foto: Marcel Manhart

 

Mit dem Regionalzug 3022 wollte Tobias G. am Christi-Himmelfahrt-Tag von Linz zu seinem Vater nach Frankenmarkt fahren. Dort ist er allerdings nicht angekommen. Nach einem Telefonat um 16.40 Uhr – da war der 14-Jährige im Zug gerade in Wels – bis nach Mitternacht fehlte von dem Schüler jede Spur. „Wir sind fast umgekommen vor lauter Angst“, schildert die Mutter.

Sie hatte ihrem Sohn auf der ÖBB-Homepage den Zug nach Frankenmarkt gesucht und den Fahrplanauszug ausgedruckt. „Ich sagte ihm, dass er beim Ticketkauf fragen solle, an welchem Bahnsteig der Zug abfahren wird“, erzählt Monika G.

 

Als Tobias nicht in Frankenmarkt angekommen war, starteten seine Eltern eine Suchaktion. Der Vater klapperte alle Bahnhöfe zwischen Attnang-Puchheim und Frankenmarkt ab, seine Schwägerin suchte in Salzburg nach dem Buben – alles vergeblich. Auch am Handy war er nicht erreichbar.

Bei den ÖBB konnte die Mutter niemanden erreichen. „Nach 17 Minuten in der Warteschleife habe ich aufgegeben.“ Die besorgten Eltern schalteten die Polizei ein, die Lautsprecherdurchsagen auf allen Bahnhöfen in Österreich veranlasste – ohne Erfolg. Dann um 0.30 Uhr der erlösende Anruf: Tobias G. war am Bahnhof Frankfurt gelandet.

Laut Schilderung von Monika G. hatte eine ÖBB-Mitarbeiterin zu ihrem Sohn gesagt, dass es den Zug R 3022 nicht gebe. Sie suche ihm einen anderen – tatsächlich stellte sie ihm ein Ticket samt Reservierung für den Intercityzug nach Frankfurt aus.

„Ich verstehe die Ängste der Mutter“, sagt ÖBB-Pressesprecher Mario Brunnmayr zu den OÖNachrichten. Es tue ihm auch leid. Aber nach einer genauen Überprüfung des Vorgangs sei kein Fehler vonseiten der ÖBB erkennbar. „Die Kollegin vom Ticketschalter hat mit einem Textmarker die Zugdaten hervorgehoben und dem Kunden am Schalter vorgelegt.“ Unverständlich sei, warum den Burschen der Preisunterschied nicht stutzig gemacht hatte: Ein Ticket nach Frankenmarkt kostet 7,90 Euro, für die Fahrt nach Frankfurt musste er jedoch 51,20 Euro berappen.

Nach einer Nacht bei der Bundespolizei Frankfurt kam der Linzer Schüler am Freitag wohlbehalten in Passau an, wo ihn die Eltern abholten.

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Kommentare: 1
  • #1

    Unglaublich... (Dienstag, 01 Februar 2011 08:40)

    "Es tue ihm auch leid. Aber nach einer genauen Überprüfung des Vorgangs sei kein Fehler vonseiten der ÖBB erkennbar."
    Aha, dann hat der Junge also sein Ticket sich selber ausgestellt?? Was für eine dumme Ausrede. Natürlich habe die schuld. Im Internet stand R 3022, den es auf einmal nicht mehr gibt, und es wird ein Ticket für eine ICE-Verbindung in die ganz verkehrte Richtung ausgestellt. Aber...das macht nix, die haben ja keien schuld. Froh sollte die ÖBB sein, daß der Junge heil nach Hause gekommen ist.
    Das ist ja schon fast so ärmlich wie bei der DB AG.