Arlbergstrecke nach Entleisung eines Güterzuges unterbrochen

In der Nacht auf Mittwoch ist es auf der Arlbergstrecke zwischen Hintergasse

und Braz zu einer Entgleisung eines mit Autos beladenen Güterzuges gekommen.

 

Wie die ÖBB berichtete, entgleisten zehn von 16 Wagen des 548 Meter langen 

Pkw-Transportzugs aus bisher noch unbekannter Ursache. Der Lokführer wurde

beim Vorfall verletzt, die geladenen Autos sind zum Teil nur noch Schrott.

 

Die Arlbergstrecke zwischen Bludenz und Landeck-Zams wird voraussichtlich

mehrere Tage unterbrochen bleiben und es wurde ein Busersatzdienst eingerichtet. 

Der   Autozug   war   unterwegs   aus   Rumänien  via  Hegyeshalom  nach  Buchs (SG) 

und   weiter   nach   Frankreich                                            Archivfoto: Marcel Manhart

Der "Brazer Bogen" wo sich der Unfall ereignete                 Archivfoto: Marcel Manhart

 

Technisches Versagen als Unfallursache
Laut Pressesprecher Rene Zumtobel der ÖBB werde der "Brazer Bogen", wo sich das Unglück ereignete, normalerweise mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h passiert. Der Güterzug war in der Nacht aber wesentlich schneller unterwegs. Nach Aussagen des Lokführers liess sich die Geschwindigkeit des Zuges nur mehr bedingt reduzieren, berichtete ÖBB- Sprecher Rene Zumtobel. Daher schliesse man auf ein technisches Problem an der Lok oder an den Wagen. "Menschliches Versagen können wir derzeit ausschliessen", betonte Zumtobel. Dem Lokführer, der bei den Unfall verletzt wurde, gehe es "den Umständen entsprechend gut". Der Mann erlitt laut Nöbl einen schweren Schock. Man warte die Auswertungen der Black Box ab, die in den nächsten Tagen verfügbar sein wird, hiess es seitens des Unternehmens.

 

 

 

 

Die Arlberg - Westrampe aus der Sicht des Lokführers:

Unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem Arlbergtunnel beginnt in Langen a/A

die Talfahrt in Richtung Braz (-Bludenz)                Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Einfahrt in den Bahnhof Langen am Arlberg                          Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Ausfahrt aus dem Bahnhof Langen a/A                                 Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Kurz nach Wald a/A gehts so richtig "bergab"                    Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Durchfahrt im Bahnhof Dalaas                                               Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Durchfahrt im Bahnhof Hintergasse                                       Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Durchfahrt im Bahnhof Hintergasse                                      Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Ausfahrt aus dem Bahnhof Hintergasse                                Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Zwischen Hintergasse und Braz wurde der Zug immer schneller

                                                          Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

Im "Brazer Bogen" passierte das Unglück                            Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Den Bahnhof Braz erreichte der Zug nicht mehr                   Archivfoto: Marcel Manhart

 

 

 

Die Unfallkommission hat ihre Erhebungen am Unfallort in Braz beendet. Dennoch wird die Arlbergbahnstrecke erst am Dienstagabend wieder in Betrieb genommen werden.

Bremsen im hinteren Teil des Zuges versagt
Der Lokführer des Güterzuges erlitt bei dem Vorfall Prellungen und einen schweren Schock. Zur Unfallursache sagte ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel bei einer Pressekonferenz am Vormittag: "Derzeit sieht es nach einem technischen Gebrechen aus, eine menschliche Fehlleistung kann eher ausgeschlossen werden."

Der Lokführer hatte laut Zumtobel versucht, im "Brazer Bogen" langsamer zu fahren. Er schaffte es jedoch nicht, die Geschwindigkeit des 548 Meter langen und 777 Tonnen schweren Zuges zu reduzieren. Der Zug war in der Kurve mit 120 statt wie vorgeschrieben 60 km/h unterwegs.

Die ÖBB geht davon aus, dass im hinteren Teil des Zuges die Bremsen versagt haben. "Genaueres lässt sich erst nach Auswertung der Blackbox sagen", so Zumtobel.

Erhebungen an Unfallstelle abgeschlossen
Nach dem Zugsunglück begann die Spurensicherung mit ihrer Arbeit. Die Unfallkommission des Ministeriums hat die Erhebungen an der Unfallstelle abgeschlossen: Fotos wurden geschossen, um den Hergang rekonstruieren zu können und geborstene Teile wurden sichergestellt. Entscheidende Hinweise erhoffen sich die Beamten aber von der Blackbox, die aus der Lok geborgen wurde.

Für die Aufräumarbeiten, die nach den Sachverhaltserhebungen zu Mittag aufgenommen wurden, waren schwere Eisenbahnkräne im Einsatz. "Zunächst werden die Autos geborgen, anschließend versuchen wir, die Waggons wieder aufs Gleis zu stellen. Sollte das nicht möglich sein, wird man sie unter Umständen zerschneiden müssen", sagte der ÖBB-Sprecher.

Zug kam drei Meter vor Haus zum Stillstand
Die Anrainer der Westbahnstrecke bei Braz sind entsetzt. Erst im Tageslicht wurde ihnen bewusst, wie knapp sie einer Katastrophe entronnen sind. Der entgleiste Zug kam nur drei Meter vor einem Einfamilienhaus zum Stillstand. Er hatte in etwa 300 Autos geladen. In den umliegenden Gärten stapeln sich Autos, die der Güterzug vom rumänischen Curtici nach Frankreich transportieren hätte sollen.

Nach Angaben des Bludenzer Bezirkshauptmanns Johannes Nöbl entgleisten im Brazer Bogen zunächst die letzten vier Waggons des Zuges, ehe einige hundert Meter weiter bei der ersten Weiche am Ostkopf des Bahnhofs Braz dann die Lok und die übrigen Waggons ausgehoben wurden.

"Die Lok liegt drei Meter vor einer Haustüre. Die Waggons und die Autos wurden auf den Campingplatz geschleudert. Wir hatten Riesenglück, dass nicht mehr passiert ist", sagt Nöbl.

Laut Zumtobel war jeder der 16 Waggons mit 15 bis 20 Autos beladen. Zehn der 16 Waggons wurden aus den Schienen katapultiert und wie zahlreiche der geladenen Wagen auf und neben den Bahndamm geschleudert.

Schaden geht in die Millionen
Der Schaden, der durch den Unfall auf der Westbahnstrecke entstand, ist enorm. Es sind sowohl die Oberleitung als auch 800 Meter Gleise schwer beschädigt. Außerdem sind neun Fahrleitungsmasten gebrochen und müssen erneuert werden.

"Der für die ÖBB entstandene Schaden wird die Millionengrenze überschreiten", revidierte Zumtobel bereits am Nachmittag eine wenige Stunden zuvor abgegebene Schätzung, wonach man an der Millionengrenze "kratzen" werde. Laut ÖBB rechnet man mit etwa fünf Millionen Euro Schaden.

"Keine Gefährdung für die Umwelt"
Die verstreuten Fahrzeuge hatten Batterienflüssigkeit verloren. Da die Feuerwehr diese allerdings rasch binden konnte, gebe es für die Umwelt keine Gefährdung, so Zumtobel.

Sperre voraussichtlich bis Dienstag
Die Reparaturarbeiten werden sicher mehrere Tage dauern. Derzeit sind rund 100 Einsatzkräfte an Ort und Stelle, um sich ein Bild vom Ausmaß des Schadens zu machen. Die Westbahnstrecke wird im Unfallbereich voraussichtlich bis Dienstag gesperrt bleiben.

Umleitung und Schienenersatzverkehr
Inzwischen haben die ÖBB zwischen Bludenz und Landeck einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Fahrgäste müssen mit bis zu 20 Minuten Verzögerung auf dieser Fahrstrecke rechnen.

Die Fernverkehrszüge, etwa der EN 466 von Wien nach Zürich, werden bis auf weiteres über München - mit entsprechenden Fahrzeitverlängerungen - umgeleitet.

Die Zugs- und Fahrplanauskunft der ÖBB erreichen Sie unter der Telefonnummer 05 - 1717.

In Braz bei der Unglücksstelle beginnen heute die Arbeiten am Gleis. Bei strömenden Regen werden die Schienen mit Hilfe eines großen Mobilkranes repariert und die Lok geborgen. 

Durch die gewaltige Fliehkraft des Zuges wurden die Gleise in der Kurve um einen Meter nach links gedrückt, die Schienen an manchen Stellen regelrecht zerrissen. Nun müssen 30 Meter lange Gleisstücke mit Schwellen versehen werden und Stück für Stück auf die Trasse gelegt werden.

Am Freitag müssen die Einsatzkräfte die 84 Tonnen schwere Lok bergen. Am Abend trifft laut ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel der schwere Schienenkran ein, mit dem ab Samstag auf rund 800 Meter Länge neue Schienen verlegt werden müssen. Außerdem gilt es eine Weiche zu reparieren sowie neun Fahrleitungsmasten neu zu setzen.

Es sei noch unklar, wie das schlechte Wetter die Arbeiten beeinträchtigen werde, sagt Zumtobel. Außerdem wisse man noch nicht, wie stark die Fundamente bei den Fahrleitungsmasten an der Unglücksstelle beschädigt sind.

Streckenfreigabe ab Dienstag 22. Juni 2010
"Wir sind bis jetzt wie geplant vorangekommen", sagte Zumtobel. Nach aktuellem Stand der Dinge bleibe es bei Dienstagabend als Freigabetermin für die Arlbergbahnstrecke, auch wenn starker Regen die Bemühungen der 50 Einsatzkräfte am Freitag behinderte. "Wenn ab Samstag die großen Arbeiten anlaufen, werden wir mehr wissen", so der Pressesprecher. Der Schienenersatzverkehr zwischen Bludenz und Landeck funktioniere problemlos.

Lokführer: "mit unglaublichen Glück überlebt"
Die unabhängige Unfallkommission des Verkehrsministeriums kam zum Ergebnis, dass ein technischer Defekt die Unfallursache ist. Der Lokführer habe sich völlig korrekt verhalten und alles nach Vorschrift gemacht. Er habe keine Chance gehabt, den Zug zu bremsen.

Ab Bahnkilometer 122,3 war der Zug völlig ausser Kontrolle. Der Lokführer hat nach Angaben von Peter Urbanek von der Bundesanstalt für Verkehr in Wien alles Mögliche unternommen, um das Tempo des Zugs mit insgesamt 16 Waggons zumindest zu drosseln.

Bis zur Entgleisung bei Kilometer 126,5, also rund sechs Kilometer weiter, hat es laut Aufzeichnungen der Blackbox rund vier Minuten gedauert. Der Zug war in dieser Zeit nicht mehr steuerbar, sagt Urbanek, die Geschwindigkeit des 700 Tonnen-Kolosses hat sich von ursprünglich 60 km/ auf 125 km/erhöht.

Die Arlbergstrecke gelte für die Bahnen als Steilstrecke, selbst bei geringem Gefälle würden große Massen innerhalb kurzer Zeit stark beschleunigt werden. Der Lokführer hat sich im Maschinenraum in Sicherheit gebracht und so wie er selbst sagt mit "unglaublichem Glück überlebt".

Die Instandsetzungsarbeiten an der Bahnstrecke in Braz nach dem Güterzugsunglück in der Nacht auf Mittwoch laufen laut ÖBB nach Plan. Die Strecke soll am Dienstagabend wieder freigegeben werden.

Bei teilweise strömendem Regen waren 50 Mitarbeiter der ÖBB bis Samstagmittag am Bahnhof Braz im Schichtbetrieb durchgehend damit beschäftigt, 26 Gleisfelder, bestehend aus je 30 Meter langen Abschnitten, zusammenzubauen. Die vorgefertigten Teile sollen am Sonntag eingelegt werden. 

Die Einsatzkräfte sind mit dem Setzen von elf neuen Fahrleitungsmasten beschäftigt, wozu ein Teleskopkran notwendig ist. Für den Samstagnachmittag ist die Abtragung des alten Gleiskörpers per Schienenkran geplant.

Außerdem soll mit der Schotterplanierung begonnen werden. Etwa 80 Prozent des alten Gleisschotters könnten laut ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel nach der Reinigung wiederverwendet werden.

Die ÖBB warnen die Bevölkerung davor, sich auf der Gleisanlage im Bereich der gesperrten Arlbergbahn-Strecke im Bereich Braz aufzuhalten. Obwohl kein regulärer Zugverkehr abgewickelt wird, sind immer wieder Baufahrzeuge der ÖBB unterwegs, so Zumtobel.

Zumtobel zeigte sich zuversichtlich, dass die Arlbergbahnstrecke am Dienstagabend wieder freigegeben werden kann. Um das zu erreichen, wurde ein detaillierter Arbeitsplan für jeden Tag erstellt.

Der Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Landeck und Bludenz funktioniere indessen gut. Die Verspätungen würden sich auf zehn bis 20 Minuten beschränken.

Nach der Zugsentgleisung von Mittwochnacht bleibt die Strecke über den Arlberg bis voraussichtlich Dienstag (22. Juni 2010) Abend gesperrt. Dies hat für den Verkehr folgende Auswirkungen:

  • Zwischen Bludenz und Landeck-Zams wurde ein Schienenersatzverkehr für alle Züge eingerichtet. Züge Richtung Ostösterreich warten die Ankunft der Busse ab. Rechnen Sie bitte mit um rund 20 Minuten längerer Reisezeit.
  • Alle Nachtzüge nach/ ab der Schweiz werden über Deutschland nach Salzburg geführt. Die Reisezeit verlängert sich dadurch um 60 bis 80 Minuten. Die Halte in Tirol und Vorarlberg entfallen. Für Reisende von Salzburg bis Landeck-Zams wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
  • Der Autotransport bei den Zügen OEC 740 (Wien – Feldkirch) und OEC 743 (Feldkirch – Wien) entfällt bis inklusive Dienstag, 22. Juni 2010 auf der Strecke Innsbruck – Feldkirch. Der Autotransport ab/ nach Innsbruck ist aber möglich. Die weiteren Autoreisezüge ab/ nach Feldkirch werden geführt, aber auf einer Umleitungsstrecke.
  • Der Autotransport der Nachtzüge Graz – Feldkirch bzw. Villach – Feldkirch entfällt am Mittwoch, 16. Juni. Ab Donnerstag, 17. Juni werden die Züge auf geänderter Strecke angeboten.
  • Bitte beachten Sie, dass der Transport von Fahrrädern im Schienenersatzverkehr nur sehr eingeschränkt möglich ist und daher nicht gewährleistet werden kann.
  • Die Wagennummern bzw. Zugkategorien einiger Züge können nicht eingehalten werden. Reservierungen bleiben natürlich aufrecht. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass Sitzplatz- bzw. Wagennummern nicht mit der ursprünglichen Reservierung übereinstimmen können.

Bei Fragen zu Fahrten im Bereich der Arlbergstrecke wenden Sie sich bitte rechtzeitig vor Fahrtantritt an das ÖBB-CallCenter 05-1717 (österreichweit zum Ortstarif). Bitte beachten Sie, dass es aufgrund der vermehrten Anfragen zu verlängerten Wartezeiten kommen kann.

Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten!

 

 

 

 

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Bei dem Unglück in Österreich ist ein Millionenschaden entstanden. Vermutlich hatten die Bremsen des Zuges in einer Kurve versagt.

 

Mehr als 100 Neuwagen waren plötzlich nur noch Schrott: Im österreichischen Vorarlberg ist ein Güterzug mit hohem Tempo entgleist. Die Westbahnstrecke bleibe nach dem schweren Unfall in der Nacht bei Bludenz für mehrere Tage gesperrt, sagte Sprecher Rene Zumtobel von der österreichischen Bundesbahn. Auch Züge von und nach Deutschland sind betroffen.

Der Zug war von Ungarn kommend auf dem Weg nach Frankreich, als er in Braz mit seinen 16 Waggons in einer Kurve umkippte. Mehr als 100 Autos verteilten sich in der Umgebung und wurden stark beschädigt. Auch wenn die Unfallursache noch nicht ganz geklärt sei, könne menschliches Versagen ausgeschlossen werden, sagte Zumtobel. Die ÖBB geht von einem Versagen der Bremsen aus, da der Zug in der Kurve mit 120 statt wie vorgeschrieben 60 Stundenkilometern unterwegs war.

Außer dem Lokführer wurden keine Menschen verletzt. Er erlitt einen Schock und wurde im Krankenhaus behandelt. Der Zug kam knapp vor einem Wohnhaus zum Stehen.

Der Unfallort glich am Mittwoch einem Trümmerfeld: Der Zug völlig demoliert, umgeknickte Bahnleitungsmasten und beschädigte Autos des rumänischen Herstellers Dacia. Der Gesamtschaden beträgt nach ÖBB-Angaben mindestens mehrere Millionen Euro. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten würden noch Tage dauern.

Bis zum Montag ist die Gebirgsstrecke, auf der täglich rund 100 Züge fahren, gesperrt. Zwischen Bludenz und Landeck fahren als Ersatz Busse, andere Züge sollen über Innsbruck, München, Kufstein oder Lindau umgeleitet werden.

Die Entgleisung des Pkw-Transportzugs in Braz bei Bludenz dürfte auf eine abgerissene Bremsleitung zurückzuführen sein. Das stellte eine Ermittlungskommission am Donnerstagmorgen fest. Die Aufräumarbeiten waren am Tag nach dem Unfall vom frühen Mittwochmorgen in vollem Gange. Die 300 größtenteils demolierten Dacia-Pkws wurden auf einem Sammelplatz gelagert, umgekippte Waggons wurden wieder auf die Gleise gestellt.

Bremsleitung gerissen
ÖBB-Sprecher René Zumtobel: „Bei Güterzügen besteht eine durchgehende, mit Luft gefüllte Bremsleitung. Wenn diese an einer Stelle reißt, entweicht die Luft, und das Fahrzeug wird automatisch gestoppt.“ In Braz dürfte sich aber die zwischen dem ersten und zweiten Waggon abgerissene Leitung umgestülpt haben. Somit konnten zwar die Lok und der erste Waggon gebremst werden, nicht aber die weiteren 15 Wagen.

Freigabe ab Dienstag
„Die Aufräumarbeiten mit drei Teleskopkränen laufen nach Plan, am Freitag werden wir die Reparaturarbeiten starten“, so Zumtobel. Dann müssen 800 Meter der Gleisanlagen und eine Weiche repariert werden. Die Arlbergbahnstrecke dürfte dann ab Dienstagabend wieder befahrbar sein. Die Strecke zwischen Bludenz und Landeck muss weiterhin per Autobus bestritten werden. Die Zeitverzögerung beträgt rund 20 Minuten. Nachtzüge zwischen Zürich und Innsbruck werden hingegen über München umgeleitet – Verspätungen von 60 bis 90 Minuten müssen in Kauf genommen werden. 

Millionenschaden
Herwig Wiltberger, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG, bezifferte den Schaden inzwischen auf bis zu fünf Millionen Euro. Darin nicht enthalten sind allerdings die Schäden an den transportierten Autos und an den Waggons, die dem französischen Transportkonzern STVA gehören.

Keine Schuld
Dem Lokführer (45) aus Vorarlberg wurde inzwischen von der Unfallkommission ein fehlerfreies Verhalten bescheinigt. Er konnte den 777 Tonnen schweren Zug nicht mehr bremsen. Er erlitt wie berichtet einen Schock und wurde leicht verletzt. Am Mittwoch konnte er das Spital Bludenz wieder verlassen. Ein Psychologe kümmert sich um den 45-Jährigen.

Knalleffekt im ÖBB-Crash von Braz. Ein internes Dokument belegt: Die Lok hatte einen Motorschaden, bei den Bremsen wurde geschlampt.

Der Mega-Crash eines ÖBB-Zugs am vergangenen Mittwoch in Braz (Vbg.) wird zum Thriller – und für die ÖBB möglicherweise zu einem Skandal. Ein bisher geheimer Werkstättenbericht der ÖBB, der ÖSTERREICH vorliegt, zeigt – eine ganze Pannenserie führte zum Crash.

 

Die Details:

Motorschaden
Das Dokument zur Taurus-Lok mit der Nummer 1116 173-4 zeigt: Die 84 Tonnen schwere Maschine war mit nur drei funktionierenden von vier Motoren unterwegs. Schon am 7. Juni um 11.51 Uhr ist es in Zell am See (Sbg.) laut Schadensprotokoll zum Motorschaden gekommen. 

Keine Reparatur
Dieser Defekt wurde in Linz gemeldet, die Lok nach Wien weitergeschickt, dort wurde alles dokumentiert, aber nicht repariert. Dann wurde die Lok an einen Autozug angehängt, der aus Rumänien 300 Autos nach Frankreich bringen sollte. Ein Insider zu ÖSTERREICH: „Wenn ein Motor ausfällt, ist die Bremswirkung um 25 Prozent verringert. Ein Wahnsinn.“ Zusätzlich soll sich ein ÖBB-Lokführer (nicht der Unglücksfahrer) in Wien beschwert haben, dass die E-Bremse der Lok ebenfalls nicht richtig funktioniert.

Schlamperei bei Bremsen
Und: Auch am doppelstöckigen Autozug gab es bereits technische Schwierigkeiten. Hintergrund: Die Bremsleitungen laufen zwischen den einzelnen Waggons, hängen dabei leicht nach unten. Da Autozüge niedriger sind als andere, ist die Gefahr sehr groß, dass die Leitung am Boden streift. In Rumänien behalf man sich mit Plastikbändern, mit denen man die Leitungen hochspannt.

Kontrolle
Aufgefallen ist das bei der technischen Kontrolle durch die ÖBB an der Grenze zu Österreich im ungarischen Hegyeshalom niemandem. Und auch in Wien nicht.

Folge: Millionen-Crash
Bei Braz in Vorarlberg ist am 16. Juni Lokführer Karlheinz V. mit dem Autozug unterwegs. Bei Bahnkilometer 122,3 reißt um 3 Uhr früh eines der Bremsseile zwischen erstem und zweitem Waggon. Die automatische Notbremsung funktioniert nicht, weil sich die Leitung „umstülpt“. Dadurch bleibt der Luftdruck gleich – das System erkennt den Riss nicht.

Die Folge: Nur die Lok und der erste Wagen bremsen. Dahinter schieben 615 Tonnen gegen die Lok, die immer schneller wird. Sechs Kilometer später crasht der 777-Tonnen-Koloss, der Lokführer und Dutzende Anrainer überleben mit Glück. Schaden: 5 Millionen Euro – 300 kaputte PKWs nicht mitgerechnet.

Die ÖBB weisen alle Vorwürfe zurück. Ein Sprecher: „Der ausgefallene Motor hat nichts mit der Bremsleistung zu tun. Das ist nicht die Unfallursache.“ Klar ist: Die Untersuchungen werden jetzt auch die Versicherungen interessieren....

Es werden immer weitere Details zu dem Zugsunglück in Braz bekannt. Laut der Tageszeitung "Österreich" sollen nur drei der vier Motoren gearbeitet haben. Die ÖBB bestätigen das. Das habe die Bremsleistung der Lok jedoch nicht beeinträchtigt.

"Lokomotive bringt dieselbe Bremsleistung"
Die Tageszeitung "Österreich" wirft den ÖBB in ihrer heutigen Ausgabe vor, gewusst zu haben, dass die Lok nur mit drei Motoren fuhr. Trotzdem habe sie dem Lokführer erlaubt, weiterzufahren.

Die ÖBB weisen sämtliche Spekulationen, dass dies zu der Entgleisung des Zuges geführt habe, von sich. ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel bestätigte gegenüber Radio Vorarlberg, dass die Lokomotive am Mittwoch statt mit vier mit drei Motoren unterwegs gewesen sei: "Die Lokomotive bringt dennoch dieselbe Bremsleistung. Das steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Unfall," so Zumtobel.

ÖBB wartete auf Ersatzteile
Die Lokomotive habe die maximale E-Bremsleistung von 150 Kilonewton erbracht, unterstrich der ÖBB-Sprecher. Der beschädigte vierte Motor des 84 Tonnen schweren Triebwagens habe beim Unfallhergang "keine Rolle gespielt".

Dass die Lokomotive - wie "Österreich" berichtete - bereits einmal zur Reparatur in eine Werkstätte gebracht, der Motor aber nicht instand gesetzt wurde, sei richtig. "So etwas kommt vor, etwa wenn man auf Ersatzteile warten muss", erklärte Zumtobel.

Die am Freitag geborgene Lok befinde sich noch in Vorarlberg. Nach eingehender Inspektion durch Experten werde entschieden, was weiter mit dem Triebwagen - Reparatur oder Ausschlachtung - geschehen wird.

Wiederherstellungsarbeiten in vollem Gange
Die Wiederherstellungsarbeiten an der Unfallstelle wurden auch am Montag weiter mit Nachdruck vorangetrieben. Auf dem Plan stehen unter anderem das Verschweißen der am Wochenende neu gelegten Gleisstücke, außerdem sollte die beschädigte Einfahrweiche des Bahnhofs Braz ersetzt werden.

Für Montagnachmittag ist das Aufspannen von über 800 Metern Fahrleitung vorgesehen. Die Arbeiten an der Fahrleitung dürften bis spät in die Nacht dauern. Zumtobel zeigte sich weiter zuversichtlich, dass die Arlbergbahnstrecke wie geplant am Dienstagabend ab 20.00 Uhr wieder freigegeben werden kann.

Bei der Bundesanstalt für Verkehr in Wien werden nach nach wie vor die Daten der Black Box der Unglückslok ausgewertet. Bis Ende der Woche soll der Bericht fertig sein, dann weiß man auch Genaueres über die Unglücksursache.

"Unfallhergang noch nicht geklärt"
Was zum Reißen des Bremsschlauches zwischen erstem und zweitem Waggon geführt hat, ist Gegenstand so einiger Spekulation - unter anderem im Internetforum bahnforum.info und bei den Usern von vorarlberg.ORF.at.
Radio Vorarlberg hat ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel gefragt, was dran ist an diesen Spekulationen. Zumtobel weist sie grundsätzlich zurück, weil der Unfallhergang noch nicht geklärt sei, geht aber auf die einzelnen Thesen ein. 

Unfallkommission untersucht Bremsschlauch
Eine These, die im Bahnforum geäußert wurde, lautet, dass der Bremsschlauch durch auf dem Gleiskörper gelagerte alte Schienen beschädigt wurde. Zumtobel sagt dazu, ob der Schlauch wegen Materialermüdung gebrochen ist oder auf dem Boden aufgeschlagen ist und dabei brach, das werde von der unabhängigen Unfallkommission erhoben.

"Französische Waggons hängen tiefer"
Eine andere Theorie: Um den Bremsschlauch nicht zu weit herunterhängen zu lassen, sei er in Rumänien lediglich mit Plastikbändern befestigt worden. Richtig ist laut Zumtobel, dass die französischen Waggons des Unfallzuges tiefer liegen als andere Güterwaggons. Die Waggons seien aber für Österreich zugelassen. Sollte die Befestigung des Bremsschlauchs nicht korrekt gewesen sein, werde die Unfallkommission das feststellen.

"Fahrleitung war nicht abgeschaltet"
Weiters ist in einschlägigen Internetforen zu lesen, dass nach der Notfallmeldung des Lokführers die Betriebsführungszentrale in Innsbruck die Fahrleitung abgeschaltet habe, woraufhin das elektrische Bremssystem des Zuges nicht mehr gewirkt habe. Eine Behauptung, die Zumtobel klar zurückweist: Die Fahrleitung sei definitiv nicht abgeschaltet worden. 

"Zug wurde an der Grenze überprüft"
Kritik geübt wird auch an der Tatsache, dass Züge an Österreichs Grenzen viel weniger als früher auf ihren technischen Zustand hin überprüft würden. ÖBB-Sprecher Zumtobel weist darauf hin, dass der am Mittwoch entgleiste Zug sehr wohl überprüft wurde – und zwar vom technischem Wagendienst, als er von Ungarn kommend die österreichische Grenze passiert habe.

Nach der Entgleisung eines Güterzuges auf der Arlbergbahn haben die ÖBB erste Konsequenzen gezogen, um die Sicherheit unter anderem auf den Gebirgsstrecken zu erhöhen. Auch in Tirol gibt es eine Reihe steiler Gebirgsstrecken.

Teilweise steiler als die Arlbergbahn
So ist etwa die Karwendelbahn mit 3,6 Prozent Steigung noch um 0,5 Prozent steiler als die Vorarlberger Westrampe der Arlbergbahn mit 3,1 Prozent. Aber auch die Arlberg-Ostrampe auf Tiroler Seite und die Brennerbahn weisen mit 2,6 Prozent, beziehungsweise 2,5 Prozent eine für Eisenbahnen recht beachtliche Steigung auf.

Stahlseil war möglicherweise defekt
Der Autotransportzug in Vorarlberg bestand aus ständig gekuppelten Wageneinheiten einer französischen Firma, bei denen die Bremsschlauchkupplungen tiefer liegen, als es bei anderen Güterwagen oder Reisezugwagen üblich ist.

Möglicherweise war ein schadhaftes oder fehlendes Stahlseil, mit dem die Kupplung der Bremsschläuche zwischen den Wageneinheiten aufgehängt wird, die Ursache für die Beschädigung der Bremsleitung; zumindest gibt es in einer Anweisung der ÖBB-Infrastruktur einen entsprechenden Hinweis darauf.

Zusätzliche Bremsproben vorgeschrieben
In dieser Anweisung wird eine spezielle Kontrolle dieses Stahlseils verlangt. Außerdem müssen sich die Bremsschläuche und Schlauchkupplungen mindestens 140 Millimeter oberhalb der Schienenoberkante befinden. Laut ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel sind auch zusätzliche Bremsproben bei Zügen mit diesem Wagentyp vorgeschrieben worden.

Der französischer Konzern, dem die Waggons gehören, soll schuld daran sein.

Ein Güterzug machte den Anfang: Punkt 20 Uhr konnten die ÖBB am Dienstagabend die Westbahn bei Braz wieder in Betrieb nehmen – am 7. Tag nach dem verheerenden Zugunglück, bei dem eine Lok und zehn mit Autos der Marke Dacia voll beladene Waggons entgleist waren. „Die Leute, die hier im Einsatz waren, haben fast Unmenschliches geleistet“, sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel zu ÖSTERREICH. 

Riesenschaden
Noch als die Reparaturen auf Hochdruck liefen, hat hinter den Kulissen ein Streit darüber begonnen, wer den Schaden bezahlt. Dieser liegt mittlerweile bei 15 Millionen Euro. Für die ÖBB Infrastraktur AG, die das Streckennetz betreibt, ist klar: Der Verursacher muss zahlen – das wurde am Dienstag bei einer internen Sitzung festgelegt – ÖSTERREICH hat berichtet.

International
Gefahren ist der Zug im Auftrag der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria. Zusammengestellt wurde er in Curtici (Rumänien) von Mitarbeitern der Rail Cargo Hungaria, die wiederum eine Tochter der Rail Cargo Austria ist. In einem internen ÖBB-Papier heißt es daher, dass die Rail Cargo Austria haftet.

Waggons gehören Franzosen
Diese könne aber auf den Eigentümer der Waggons zurückgreifen, falls diesem grobe Fahrlässigkeit oder technische Mängel nachgewiesen werden können. Die Waggons gehören dem französischen Transportkonzern STVA. Und diesem wirft ein ÖBB-Insider nun gegenüber ÖSTERREICH „unglaublichen Pfusch“ und einen „Konstruktionsfehler“ vor.

Schlamperei
Wie berichtet, dürfte ein gerissenes Bremsseil die Ursache sein – siehe Grafik. Dieses war in Rumänien an den Unglückswagen nur mit einem Draht hochgebunden worden. Zwischen erstem und zweitem Waggon riss der Draht, und die Katastrophe nahm ihren Ausgang – siehe Kasten. Der Sprecher der Rail Cargo Austria, Christian Wenzl, sagte zu ÖSTERREICH, er könne zur Ursache derzeit noch keine Stellungnahme abgeben.

Versicherung
Gleichzeitig weist er Gerüchte zurück, wonach der Zug massiv unterversichert gewesen sei und daher die ÖBB den Schaden selbst bezahlen müssten: „Die ÖBB sind durch ein internationales Konsortium aus namhaften Versicherern für allfällige Schadenersatzforderungen ausreichend gedeckt.“ Die betroffenen Anrainer sollen nun rasch entschädigt werden.

Der Schaden, der durch das Zugsunglück in Braz entstanden ist, ist nach Angaben der ÖBB durch Versicherungen gedeckt. Nachdem der Bericht der Unfallkommission vorliegt, wisse man, wer was zu zahlen habe.

Verschiedene Varianten möglich
Der Schaden sei auf jeden Fall versichert, so ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel. Schließlich sei der Zug an der ungarischen Grenze kontrolliert und vom ÖBB-Güterverkehr übernommen worden.

Sollte die Unfallursache an den Waggons gelegen haben, würde der private französische Transportkonzern STVA haften, so Zumtobel. Sollte der Zug in Rumänien falsch zusammengesetzt worden sein, werde die Haftung von der ungarischen MAV Cargo übernommen. Dabei handelt es sich um eine Tochter der ÖBB-Holding.

Kommende Woche liegt Bericht vor
Kommende Woche wird die Unfallkommission ihren Bericht vorlegen. Erst dann könne gesagt werden, wer verantwortlich ist und wer für welchen Schaden haftet, so Zumtobel.

Der neue ÖBB-Chef Christian Kern hat sich am Donnerstag bei allen ÖBB-Mitarbeitern bedankt, die für die schnelle Reparatur der Bahnstrecke nach dem Unglück in Braz verantwortlich waren. Ein spezieller Dank galt dem Lokführer.

Gutschein für Wochenendurlaub
Der 40-jährige Karl-Heinz Venier und seine Familie erhielten am Donnerstagnachmittag auf dem Bahnhofsgelände in Bludenz einen Gutschein für einen Wochenendurlaub. Der Lokführer wurde bei der Zugsentgleisung leicht verletzt. Er hat seinen Dienst noch nicht wieder angetreten. Venier sagte im "Vorarlberg heute"-Interview, dass er noch immer die körperlichen Folgen des Unfalls spüre. Er werde weiterhin psychologisch betreut. Er möchte jedoch wieder in den Beruf einsteigen.

"Die schwierigsten Minuten in meinem Leben"
Der Lokführer erinnert sich daran, dass er vor dem Brazer Bogen eine Meldung bekommen habe und daher versuchte, die Bremsen zu ziehen. Als diese versagten, seien das die "schwierigsten Minuten" in seinem Leben gewesen. Er sei sich sicher gewesen, dass er das nicht überleben werde. Venier zeigte sich froh darüber, dass es zu dem Unglück nicht aufgrund seines Versagens gekommen ist. Er bedankte sich bei der ÖBB dafür, dass sie ihn "nicht alleine ließen." Kern wünschte Venier alles Gute für seine Genesung und bedankte sich bei allen ÖBB-Mitarbeitern, die an der Reparatur der Bahnstrecke beteiligt waren.

Die Untersuchung des Zugsunglücks von Braz durch die Bundesanstalt

für Verkehr dauert länger als ursprünglich angenommen.  

Der Bericht soll Ende Juli/ Anfang August vorliegen.

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