Die neue Sicherheitsorganisiation im Zürcher Verkehrsverbund

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) schafft ab Januar 2011 eine neue Sicherheitsorganisation. Diese koordiniert alle Aspekte der Sicherheit und der Ticketkontrolle im ganzen Verbundgebiet. Damit trägt der ZVV gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung und sorgt dafür, dass das Zug- und Busfahren für Fahrgäste und Personal insbesondere auch abends und nachts reibungslos verläuft. Grundlage bildet das neue Bundesgesetz über die Sicherheitsorgane der Transportunternehmen.

Das Motto "Sicher fair!" gilt auch für die Zürcher S-Bahn             Foto: Marcel Manhart

 

Unter der Leitung der Transportpolizei arbeiten schrittweise ab 2011 die Transportpolizei, ein neuer, speziell ausgebildeter Sicherheitsdienst, Präventionsassistenten und Kontrollpersonal zusammen. Dieses Personal kann flexibel und sachgerecht auf allen Verkehrsmitteln eingesetzt werden und kümmert sich sowohl um die Sicherheit als auch die Ticketkontrollen. Die bisherige durchgehende Begleitung aller S-Bahnzüge nach 21.00 Uhr wird durch den flexibleren Einsatz des Sicherheitsdienstes abgelöst. Ausgenommen davon sind die Nacht-S-Bahnen von SBB und SZU – sie bleiben durchgehend begleitet. Neu werden auch Bahnhöfe und Busunternehmen in die Touren mit einbezogen. Bis Ende 2012 soll die neue Organisation aufgebaut sein. Ausgenommen von diesem Konzept ist die Stadt Zürich und zum Teil auch die Stadt Winterthur. Dort deckt die Zusammenarbeit mit den beiden Stadtpolizeien die Bedürfnisse der Verkehrsunternehmen bereits ab.

Bessere Effizienz durch präzise Koordination
Der ZVV wendet jährlich rund 42 Mio. Franken für die Sicherheitsorganisation einschliesslich Ticketkontrolle auf – mit Erfolg: das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste auf S-Bahn, Tram und Bus stieg seit 2002 stetig. Allerdings organisieren sich die Verkehrsunternehmen im ZVV punkto Sicherheit heute weitgehend eigenständig. Die Transportpolizei der SBB ist bisher nur auf der S-Bahn und an Bahnhöfen präsent. Auf den übrigen Verkehrsmitteln sind fünf private Sicherheitsfirmen im Einsatz. Um die Ticketkontrolle kümmern sich drei Kontrollpools. Diese heterogene Organisationsform ist wenig flexibel und führt zu Doppelspurigkeiten. Das neue Konzept sieht speziell ausgebildetes Sicherheitspersonal vor, das verkehrsmittelübergreifend einsetzbar ist. Damit können Kräfte gebündelt und Personal und Mittel im ganzen ZVV optimal eingesetzt werden.

Für die Zukunft rüsten
In den letzten Jahren nahmen die Mobilitätsansprüche der Gesellschaft zu – vor allem am Abend und in der Nacht. Das veränderte Ausgehverhalten wirkt sich auch auf das Verhalten der Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Insbesondere Ticketkontrollen bieten Anlass für Konflikte. Kontroll- und Fahrpersonal sehen sich zunehmend mit Aggressionen und Gewaltbereitschaft konfrontiert, für deren Bewältigung bisher die notwendigen Kompetenzen fehlen. Die Nachfrage wird zudem in den kommenden Jahren weiter steigen. Daher sind vor allem bei der Gewährleistung der Sicherheit abends und nachts sowie generell bei der Effizienz der Einnahmensicherung differenziertere Massnahmen angezeigt, damit die Anzahl Schwarzfahrer klein und die Sicherheitslage stabil bleibt.

 

 

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Sicherheitsdienst schützt Kontrolleure in den S-Bahnen

Ab nächstem Jahr sollen speziell ausgebildete Sicherheitsleute ab 21 Uhr in den Zürcher Bussen und Bahnen patrouillieren. Das Ausgehverhalten der Gäste bringe Konfliktpotenzial mit sich, heisst es bei den ZVV.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) schafft ab Januar 2011 eine neue Sicherheitsorganisation für Bus und Bahn. Das teilte der Verband am Dienstag mit. Künftig werden ab 21 Uhr nicht mehr zwei Kontrolleure jeden Zug begleiten. Stattdessen patrouillieren auf manchen Strecken Sicherheitsleute.

Damit trage man den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung und sorge dafür, dass das Zug- und Busfahren für Fahrgäste und Personal – insbesondere auch abends und nachts – reibungslos verlaufe. Denn das veränderte Ausgehverhalten der letzten Jahre wirke sich auch auf die Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Insbesondere Ticketkontrollen böten Anlass für Konflikte, heisst es in der Mitteilung.

Sicherheitskompetenz fehlt
Kontroll- und Fahrpersonal sähen sich zunehmend mit Aggressionen und Gewaltbereitschaft konfrontiert. Für deren Bewältigung fehlten jedoch die notwendigen Kompetenzen. Dies soll sich mit der neuen Sicherheitsorganisation nun ändern.

Unter der Leitung der Transportpolizei der SBB werden schrittweise ab 2011 ein neuer, speziell ausgebildeter Sicherheitsdienst, Präventionsassistenten und Kontrollpersonal zusammenarbeiten. Dieses Personal könne flexibel eingesetzt werden.

Veränderungen in S-Bahnzügen nach 21 Uhr
Die bisherige durchgehende Begleitung aller S-Bahnzüge nach 21 Uhr wird abgeschafft. Ausgenommen davon sind die Nacht-S-Bahnen von SBB und SZU – sie bleiben durchgehend begleitet. Bis Ende 2012 soll die neue Organisation aufgebaut sein.

Ausgenommen vom neuen Konzept sind die Stadt Zürich und zum Teil auch die Stadt Winterthur. Dort decke die Zusammenarbeit mit den beiden Stadtpolizeien die Bedürfnisse der Verkehrsunternehmen bereits ab, heisst es in der Mitteilung.

Bisher organisieren sich die Verkehrsunternehmen im ZVV punkto Sicherheit weitgehend eigenständig. Die Transportpolizei der SBB ist bisher nur auf der S-Bahn und an Bahnhöfen präsent. Auf den übrigen Verkehrsmitteln sind fünf private Sicherheitsfirmen im Einsatz. Um die Ticketkontrolle kümmern sich drei Kontrollpools.

Stellungnahme des SEV

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) bedauert den Entscheid des ZVV, ab 2012 auf die bewährte Doppelbegleitung der S-Bahn-Züge in den Randstunden zu verzichten. Damit werden laut SEV-Mitteilung rund 300 Zugbegleiter der SBB ihre Stelle verlieren. Nach Ansicht der SEV könnte der ZVV durch die Abschaffung der Randstunden-Zugbegleitung auch Kunden verlieren.

 

 

Kontrollen statt Doppelbegleitung auf der S-Bahn

Die S-Bahnen werden nach 21 Uhr nicht mehr durchgehend begleitet. Dafür müssen die Fahrgäste damit rechnen, dass bis zu acht Bahnbeamte aufs Mal auftauchen und Billette kontrollieren.

Die heutigen Zugchefs auf der S-Bahn haben einen schweren Stand. Vor allem am Wochenende auf den späten Kursen, wenn sie alkoholisierte Nachtschwärmer kontrollieren oder zurechtweisen sollten. «Es gibt Zugchefs oder Buschauffeure, die in solchen Situationen lieber auf Kontrollen verzichten, als es zu einer Eskalation kommen zu lassen», sagte gestern Franz Kagerbauer, der Chef des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), an einer Medienkonferenz.

Der ZVV und die SBB möchten ihr Sicherheitskonzept in Zukunft flexibler gestalten. Beispiel: Statt eine Zweierpatrouille in der leeren S 29 spätabends durchs Weinland rattern zu lassen, steigt die Patrouille in Winterthur aus. Dafür wird eine S 12 zwischen Zürich und Dietikon bei Bedarf von acht Sicherheitskräften kontrolliert. Bei den Kosten von 42 Millionen Franken pro Jahr für die Sicherheit – einschliesslich Ticketkontrolle – will der ZVV nicht sparen: «Wir wollen flexibler und effizienter werden.»

Anlass für die Änderung ist das geänderte Ausgehverhalten vor allem der jungen Bahnkunden. Sie fahren meist sehr spät – häufig schon alkoholisiert – in den Ausgang und kommen erst mit der Nacht-S-Bahn wieder nach Hause.

Waffen: Bundesrat entscheidet
Voraussetzung für die neue Sicherheitsorganisation ist ein geändertes Bundesgesetz, das aus der bisherigen Bahnpolizei eine Transportpolizei macht. Heftig umstritten waren im Parlament zwei geplante Änderungen: Sollen die Bahnpolizisten Schusswaffen tragen? Und soll die Transportpolizei privatisiert werden? Ergebnis: Über die Schusswaffen wird der Bundesrat entscheiden, und die Transportpolizei wird zu einer SBB-Tochter.

Das neue System wird im Laufe der nächsten Jahre aufgebaut und sollte bis Ende 2012 in Kraft sein. Vier verschiedene Personengruppen in vier verschiedenen Uniformen arbeiten zusammen. Zudem werden bis 2012 alle S-Bahnen mit Videokameras ausgerüstet.

  • Transportpolizei: 85 ausgebildete Polizisten in blauen Uniformen mit gelbem Gilet, Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und der Kompetenz, Personen vorläufig festzunehmen.
  • Sicherheitsdienst: 250 ausgebildete Securitas-Mitarbeiter in blauen Uniformen, die für Ruhe und Ordnung sorgen, aber unbewaffnet sind. Sie treten tagsüber in Zweier-, nachts in Vierer- oder Sechserpatrouillen auf.
  • Ticketkontrolleure: 140 SBB-Angestellte, 30 mehr als heute, die zu viert oder zu acht stichprobenweise Tickets kontrollieren. Sie sind per Handy mit Transportpolizei und Sicherheitsdienst verbunden. Heute gehen dem ZVV geschätzte 30 Millionen Franken pro Jahr durch Schwarzfahren verloren.
  • Präventionsassistenten: 30 Angestellte der Transportpolizei in violetten Gilets suchen früh mit Gesprächen den Kontakt zu Problemgruppen.

Wunder Punkt der Neuorganisation ist die Auflösung des heutigen Teams mit 250 Zugchefs. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals fordert berufliche Perspektiven für alle. Werner Schurter, Regionalkoordinator bei den SBB, verspricht, dass es keine Entlassungen geben werde.

 

 

ZVV: Sicherheitskräfte statt Zugbegleiter

Die Welt verändert sich. Sie ist nicht mehr so friedlich, wie früher. Es gibt immer wieder Tätlichkeiten gegenüber Zugbegleitern. Deshalb trifft man in den Zügen ab und zu auf Sicherheitskräfte. Diesen Dienst will der ZVV nun ausbauen.

Ich bin im Depot Chur stationiert. Deshalb habe ich das Glück, nicht ganz so oft mit gewalttätigen Fahrgästen konfrontiert zu werden wie zum Beispiel meine Zürcher Kolleginnen und Kollegen. Aber auch mir sind diese schwierigen Fahrgäste nicht unbekannt.

 

Sturheit und Gewalt

Fahrgäste, die nicht oder nicht sofort bezahlen wollen, sind das eine. Manchmal führe ich Diskussionen, die sehr lange dauern, bis ich jemanden dann doch zum Zahlen überreden kann. Vor allem bei Menschen aus Kulturen, in denen man üblicherweise immer um Preise feilscht, merke ich es stark. Die wollen ihre Preise am liebsten selbst festlegen. “Für Zürich – Bern? Da bezahle ich maximal 8 Franken, mehr nicht!”

 

Diese sturen Fahrgäste sind das Eine. Völlig anders schaut es bei Reisenden aus, die zur Gewalt neigen. Die SBB rät uns, sich in solchen Situationen sofort zurück zu ziehen und den Schwarzfahrer gehen zu lassen. Gratis, versteht sich. Denn der Selbstschutz steht über allem und die SBB kostet es mehr, wenn ein Mitarbeiter für ein paar Tage krankheitsbedingt ausfällt, als wenn sie auf die Einnahmen eines Billettes verzichten muss.

 

Manche kennen ihre Rechte ganz gut…

Kürzlich hatte ich sogar einen Fahrgast, der weder in die eine, noch in die andere Kategorie fällt. Der sass da in einem Viererabteil und machte rasch klar, wie die Sache seiner Meinung nach ablaufen soll. Sinngemäss wurde ich in etwa so begrüsst:

 

“Grüezi Herr Kondukteur. Ich kenne meine Rechte und auch ihre. Sie dürfen mich weder anfassen noch dürfen sie mich nach einem Ausweis durchsuchen. Ich habe zwar Geld und einen Ausweis dabei, aber kein Billett. Brauche ich auch nicht. Denn ich fahre nur zwei Stationen weit. So rasch können Sie keine Polizei herbeirufen. Und sie dürfen mich nicht daran hindern, in Pfäffikon auszusteigen. Ich fahre also gratis; und sie können nichts dagegen machen. Es macht keinen Sinn, mit mir darüber zu diskutieren, gehen Sie einfach weiter und kontrollieren Sie die Fahrgäste, welche so dumm sind und ein Billett lösen. Auf Wiedersehen!”

 

Auf meinem Zug befanden sich an diesem Sonntagmorgen zwei Securitas-Mitarbeiter. Doch auch diese haben dürfen den Schwarzfahrer nicht wirklich anfassen, solange er nicht gewalttätig wird oder uns bedroht. Durchsuchen dürfen sie ihn auch nicht ohne sein Einverständnis. Das darf nur die Bahnpolizei / Transportpolizei. Diese dürften ihn übrigens auch bis zum Eintreffen der Kantons- oder Stadtpolizei vorübergehend festhalten. Doch die Securitas darf das nicht. Die ist nur dafür da, uns (das Zugpersonal) im Falle einer Tätlichkeit zu schützen. Die Securitas ist also sozusagen unser Personenschutz.

Und so mussten wir den gratis fahrenden Herrn aussteigen lassen. Auch dass wir zu dritt vor ihm standen, beeindruckte ihn nicht.

 

… Andere haben kaum Rechte

Tatsächlich ist es so, dass die SBB uns sehr wenige Rechte gibt. Wir müssen die Fahrgäste springen lassen, wenn sie nicht bezahlen. Festhalten dürfen wir sie nicht. Wir können immer nur darauf hoffen, dass die Leute freiwillig bezahlen oder dass wir rechtzeitig die Polizei auf dem Zug haben. Ab unserem Anruf dauert das aber meistens zwölf bis zwanzig Minuten. Leider.

 

(Sollte die Polizei aber rechtzeitig auf dem Zug sein und ich dadurch die Personalien des Schwarzfahrer doch noch feststellen können, wird es für ihn verdammt teuer. Und die Geschichte landet beim Rechtsdienst, was auch unangenehm sein kann. Es ist also günstiger, die Personalien freiwillig anzugeben. Und die meisten meiner Fahrgäste lassen sich mit dieser Argumentation von mir überzeugen.)

 

ZVV hat genug

Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV ist sich dieses Problems bewusst. Und deshalb will der ZVV die Zugbegleitung ab Januar 2011 anders organisieren. Er schafft eine neue Sicherheitsorganisation für Bus und Bahn. Damit will er den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen.

 

Das Zugpersonal habe nicht die notwendigen Kompetenzen, um die Billettkontrolle sinnvoll durchzuführen, sagt der ZVV. Mein oben stehendes Beispiel zeigt dies sehr deutlich. Und der ZVV kann uns nicht einfach entsprechende Kompetenzen verpassen; denn wir sind ja nicht beim ZVV, sondern bei der SBB angestellt…

 

“Es gibt Zugchefs oder Buschauffeure, die in solchen Situationen lieber auf Kontrollen verzichten, als es zu einer Eskalation kommen zu lassen.”
Franz Kagerbauer, Chef des ZVV, im Tagesanzeiger

 

Oder anders gesagt: Der ZVV ist unzufrieden mit der Billettkontrolle und hat gemerkt, dass die Mitarbeiter der SBB zu wenig Rechte haben. Deshalb müssen jetzt andere ran, die von ihrem Arbeitgeber besser “mit Rechten ausgestattet” sind: Private Sicherheitskräfte. Nicht auszuschliessen, dass sich das wieder ändert, wenn das SBB-Personal mehr zu sagen hat und nicht mehr einfach darauf hoffen muss, dass die Schwarzfahrer freiwillig zahlen oder freiwillig ihre Personalien angeben oder die Polizei rechtzeitig vor Ort ist.

 

Neu wird es im ZVV einen speziell ausgebildeten Sicherheitsdienst, Präventionsassistenten und entsprechendes Kontrollpersonal geben. Die bisherige durchgehende Zugbegleitung aller S-Bahn-Züge nach 21 Uhr wird dafür abgeschafft.

Im TagesAnzeiger beschreibt der ZVV die Änderungen an einem konkreten Beispiel:

Statt eine Zweierpatrouille in der leeren S 29 spätabends durchs Weinland rattern zu lassen, steigt die Patrouille in Winterthur aus. Dafür wird eine S 12 zwischen Zürich und Dietikon bei Bedarf von acht Sicherheitskräften kontrolliert.
TagesAnzeiger Online, 1. September 2010

 

In Zukunft werden nicht mehr einfach zwei, drei S-Bahn-Zugbegleiter die Kontrollen durchführen, sondern ein Team zusammengesetzt aus S-Bahn-Zugbegleitern, Sicherheitsleuten und je nach Situation auch Transportpolizei. Vorallem auf den problematischen Linien S3, S5, S9 und S12 dürfte es inskünftig zu schärferen Kontrollen kommen. Und so sieht das Sicherheitskonzept des ZVV in Zukunft aus:

  • Transportpolizei: 85 ausgebildete Polizisten in blauen Uniformen mit gelbem Gilet, Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und der Kompetenz, Personen vorläufig festzunehmen.
  • Sicherheitsdienst: 250 ausgebildete Securitas-Mitarbeiter in blauen Uniformen, die für Ruhe und Ordnung sorgen, aber unbewaffnet sind. Sie treten tagsüber in Zweier-, nachts in Vierer- oder Sechserpatrouillen auf.
  • Ticketkontrolleure: 140 SBB-Angestellte, die zu viert oder zu acht stichprobenweise Tickets kontrollieren. Sie sind per Handy mit Transportpolizei und Sicherheitsdienst verbunden.
  • Präventionsassistenten: 30 Angestellte der Transportpolizei in violetten Gilets suchen früh mit Gesprächen den Kontakt zu Problemgruppen.

Gemäss der Eisenbahnergewerkschaft SEV werden dadurch einige SBB-Mitarbeiter ihren bisherigen Job nicht mehr ausüben können. An ihre Stelle treten nun die oben beschriebenen Sicherheitskräfte. Die SBB ist aber darum bemüht, für diese Mitarbeiter entsprechende Lösungen zu suchen. Meine Vermutung: Sie kommen nach einer Weiterbildung zu uns Fernverkehrs-Zugbegleitern, was mich natürlich sehr freuen würde.

 

Mein Fazit

Ich finde es toll, dass der ZVV etwas für mehr Sicherheit auf den S-Bahnen unternimmt. Die Fahrgäste dürfen sich in Zukunft sicherer fühlen.

 

Gleichzeitig bedauere ich, dass dadurch einige Kolleginnen und Kollegen ihren bisherigen Arbeitsplatz verlieren und sich umorientieren müssen. Glücklicherweise hilft ihnen die SBB und verspricht, dass es zu keinen Entlassungen kommt. Die Mitarbeiter finden also innerhalb des Unternehmens eine andere Stelle.

 

Die Aufteilung in Transportpolizei, Sicherheitsdienst und Präventionsassistenten begrüsse ich. Für letztere durfte die SBB ja in Zusammenhang mit dem Projekt RailFair sehr gute Erfahrungen machen.

 

Last but not least: Ich hoffe, dass die SBB uns in Zukunft die Möglichkeit geben wird, auch solche Leute dingfest zu machen, die “ihre Rechte ganz gut kennen”. Denn für mich als Zugbegleiter ist es ganz schön peinlich, wenn dann rund um diesen Fahrgast herum Leute sitzen, die für ihre Fahrt bezahlt haben.

 

(Gleichzeitig muss ich natürlich auch gestehen, dass solche Fahrgäste sehr, sehr selten vorkommen. Noch! Es betrifft vielleicht einen unter 10’000. Denn die meisten lassen sich durch gute “Argumente” und entsprechendes Auftreten zum Zahlen überreden.)

 

 

UPDATE vom 15. September 2010 - SBB Medienmitteilung

Wie bereits an der Pressekonferenz vom 31. August 2010 angekündigt, werden der Zürcher Verkehrsverbund ZVV und die SBB ab 2011 ein neues Sicherheitskonzept im ZVV-Gebiet einführen. Betroffene Zug-Chefs übergaben hierzu dem ZVV und der SBB heute eine Protestnote. Entgegen der Angaben von Gewerkschaften und den Betroffenen kommt es zu keinen Kündigungen. Die 220 SBB-Zug-Chefs sind durch den SBB-Gesamtarbeitsvertrag abgesichert und erhalten alternative Stellenangebote.

Für den ZVV und seine Verkehrsunternehmen steht gleichermassen die Sicherheit der Fahrgäste wie auch des Personals im Zentrum. Das heutige System weist diesbezüglich jedoch eindeutig Lücken auf. So sind Aggressionen gegenüber dem Zugpersonal insbesondere bei der Ticketkontrolle leider eine Tatsache. Dies bestätigt auch die Gewerkschaft SEV. Auf Ticketkontrollen kann jedoch im öffentlichen Verkehr nicht verzichtet werden. Denn jedes Jahr muss der Steuerzahler die dadurch entstehenden Verluste in zweistelliger Millionenhöhe berappen.

Besserer Schutz für Personal und Fahrgäste
Die Forderung des SEV, die Zug-Chefs zum eigenen Schutz von Sicherheitskräften oder der Transportpolizei begleiten zu lassen, ist jedoch nicht umsetzbar. Vielmehr hat der ZVV entschieden, von der SBB ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten zu lassen. Dieses sieht vor, dass künftig Transportpolizei, Sicherheitsdienst, Kontrolldienst und Präventionsdienst verbundweit für Sicherheit und Ticketkontrolle zuständig sind. So werden Fahrgäste, aber auch Personal besser geschützt, da kompetente Leute je nach Bedarf und objektiver Lage richtig eingesetzt werden. ZVV und SBB sind überzeugt, dass das neue System zu mehr Präsenz auf dem gesamten Netz führt, denn es handelt sich nicht um eine Sparübung. 

Keine Entlassungen
Die heutige durchgehende Zugbegleitung nach 21.00 Uhr wird mit dem neuen System abgelöst. Allerdings führt dies zu keinen Entlassungen, wie die SBB bereits an der Medienkonferenz betont hatten. Die 220 betroffenen Zug-Chefs sind durch den Gesamtarbeitsvertrag der SBB abgesichert. Die betroffenen Mitarbeitenden wurden an Informationsveranstaltungen über ihre Optionen informiert. Zudem laufen persönliche Gespräche mit jedem einzelnen Mitarbeitenden.

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