So

21

Nov

2010

"Die Gefahr am Bahnhof wird oftmals unterschätzt"

Ein unterschätztes Sicherheitsrisiko auf Bahnhöfen ist die Sogwirkung eines Zuges. Die ÖBB warnen, dass die gelbe Sicherheitslinie immer wieder übertreten werde und das könne zu lebensgefährlichen Unfällen führen.

 

Bericht ORF Vorarlberg

Ein Railjet passiert den Bahnhof Rankweil                                      Foto: Marcel Manhart

 

In Rankweil fährt der Zug mit 150 km/h durch
In Vorarlberg fahren die Züge zwischen Rankweil und Hohenems am schnellsten – auf dieser Strecke erreicht ein Zug Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometer pro Stunde. Wenn sich die Bahnkunden falsch verhalten, sei das ein Sicherheitsrisiko, meint ÖBB-Sicherheitsexperte Adalbert Burtscher.

"In Rankweil fährt der Zug mit 150 km/h am Bahnhof vorbei, was zu einer enormen Sogwirkung führt. Wenn man die gelbe Sicherheitslinie übertritt, kann es brandgefährlich werden", so Burtscher. Denn die Sogwirkung eines Zuges kann einen Menschen erfassen und ins Gleis ziehen. "Ich appelliere daher an alle Fahrgäste, sich hinter der gelben Linie aufzuhalten", so Burtscher.

 

Dieses Jahr bereits elf Tote auf Bahngleisen
Dieses Jahr sind bereits elf Menschen auf Österreichs Bahngeleisen ums Leben gekommen. Neun wurden verletzt. Im Vorjahr kam es durch Unfälle auf Bahngleisen zu 24 Toten und Verletzten. Die meisten Unfallopfer gab es, weil sie die Geleise unerlaubt überquert hatten.

 

 

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Die Infrastruktur des Bahnhofes Rankweil wurde seit Ende Juli einer umfangreichen Erneuerung unterzogen.

Die Züge konnten bisher aufgrund des Anlagenzustandes einen Abschnitt von mehreren 100 Metern nur mit verminderter Höchstgeschwindigkeit passieren. Nun erfolgte der Abschluss der Arbeiten genau nach Zeitplan und die Züge können mit 140 km/h die volle Fahrplangeschwindigkeit umsetzen. In Summe investierte die ÖBB- Infrastruktur AG rund 4,5 Mio. € in die Erneuerung der Gleisanlagen und mehrerer Weichen am Nordkopf des Rankweiler Bahnhofs. Für die Bahnkunden bedeutet diese Verbesserung mehr Stabilität im Fahrplan. Bisher brauchten die Züge für das Herunterbremsen und Beschleunigen nach der Geschwindigkeitsbegrenzung um bis zu zwei Minuten länger.

 

Weichen im Einfahrtsbereich sind das Herzstück jedes Bahnhofs. Ohne die wichtigen Weichenverbindungen ist ein Wechsel der Fahrspur für Züge nicht möglich. Umso größer war die Herausforderung für Technik und Betrieb bei der Baustelle in Rankweil. Der Bauablauf wurde im Vorfeld mit fünf Bauphasen minutiös genau geplant. Laufend gab es Abstimmungen zwischen den Bauteams und den ÖBB- Mitarbeitern, die den Zugverkehr steuern. Seit Juli 2010 wurden die Weichen im Ganzen herausgeschnitten, danach das Gleisschotterbett und die Schwellen entfernt. Weiters wurde der Unterbau der Gleisanlagen in diesem Bereich bis zu 1,70 Meter tief ausgegraben und komplett erneuert. Durch neue Drainagen im Untergrund fließt das Oberflächenwasser kanalisiert und problemlos ab. Das sichert die Festigkeit und erhöht die Lebensdauer des Unterbaus.

 

Neun neue Weichen zum Stückpreis von rund 150.000 € wurden mit schweren Eisenbahnkränen eingehoben. Sämtliche Arbeiten wurden bei laufendem Bahnbetrieb unter schwierigsten Bedingungen umgesetzt. Durch fehlende Weichenverbindungen während einzelner Bauphasen mussten die Zughalte in Rankweil zum Teil über EINE Bahnsteigkante abgewickelt werden. Auch der acht Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Rankweil und Götzis war in einzelnen Bauabschnitten nur eingleisig befahrbar. Aufgrund des engen Zeitplanes arbeitet das ÖBB- Bauteam grundsätzlich auch in der Nacht und an Wochenenden. Beschwerden gab es keine wie ÖBB Projektleiter Karl Hartleitner betonte: „Ich möchte mich bei den Anrainern bedanken, für das Verständnis wegen der Lärm- und Staubentwicklung während der Bauphasen. Wir haben uns sehr bemüht um die Belastungen so gering wie möglich zu halten.“ Zufrieden zeigte sich auch Vorarlbergs Regionalmanager Gerhard Mayer: „Der eigene Baustellenfahrplan hat sich bewährt, die Kunden waren gut informiert und deshalb hat es insgesamt sehr gut funktionier

Zahlen – Daten – Fakten zum Projekt:
Baubeginn: Ende Juli 2010 – Fertigstellung November 2010
Baumaßnahmen: Tausch von neun Bahnhofsweichen am Nordkopf
Kompletterneuerung des Unterbaus im Weichenbereich
Erneuerung der Weichenheizung
Erneuerung der Drainagen – Abfließen des Sickerwassers
Materialmenge: 5.000 m³ Unterbausanierung inkl. Bodenauswechslung
Gleisschotter: 2.700 m³ Erneuerung im Bereich der Weichen
Arbeitseinsatz: in Summe 50 Facharbeiter im Einsatz (alle Bauphasen)
Maschineneinsatz: Schienenkran, Schotterverdichtungs- , Schienenschleifmaschine
Investitionsvolumen: 4,5 Mio. €
Bahnhof Rankweil: Teilweise nur eine Bahnsteigkante zur Verfügung

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