Sa

04

Jun

2011

ÖBB: Aufbruch in eine neue Ära der Zugsicherung

Die ÖBB setzen mit dem europaweit einheitlichen Zugsicherungssystem „European Train Control System“ (ETCS) auf Hi-Tech, Sicherheit und Verlässlichkeit. Diese Woche wurde es der Öffentlichkeit im Rahmen eines Medientermins mit Probefahrt vorgestellt.

ÖBB-Eurocity in Innsbruck Hbf                                                        Foto: Marcel Manhart

 

Ein buntes Programm wurde Medienvertretern und prominenten Gästen vergangene Woche im Zuge der Präsentation des ETCS in Innsbruck geboten. Bei einem Besuch in der Betriebsführungszentrale Innsbruck konnten nach einer Besichtigungstour die eigenen Lokführerqualitäten im ETCS-Fahrsimulator getestet werden. Auf der anschließenden Fahrt auf der Teststrecke Matrei – Fritzens-Wattens war es möglich, dem Lokführer über die Schulter zu schauen um sich selbst ein Bild vom Zugsicherungssystem ETCS unter realen Umständen zu machen.


Medienpräsentation mit hochrangigen Vertretern
Begrüsst wurden die Medienvertreter und prominenten Gäste bei der Präsentation vom Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG Herwig Wiltberger, dem NR-Abg. und Vorsitzenden des parlamentarischen Verkehrsausschusses Anton Heinzl sowie dem Tiroler Verkehrslandesrat Bernhard Tilg. 

Anwesend waren auch hochrangige Vertreter von Alstom Austria GmbH, Frequentis AG, Kapsch CarrierComAG, Signon Deutschland GmbH und Thales Austria GmbH, die in enger Zusammenarbeit mit den ÖBB einen wesentlichen Teil zur Einführung des ETCS beitragen.

„Für die ÖBB beginnt mit dieser Umstellung einen neue Ära der Zugsicherung und Zugsteuerung“, so Wiltberger. „Das ist ein wichtiger Technologiesprung und eine grosse Herausforderung für den gesamten Konzern. Mit dem Bahnbetrieb auf Basis ETCS zählen die ÖBB gemeinsam mit der Schweiz und den skandinavischen Staaten europaweit zu den führenden Innovationsträgern.“

SPÖ Verkehrssprecher Anton Heinzl zeigt sich erfreut, dass die ÖBB weiter verstärkt in das einheitliche europäische Zugsicherungssystem investiert. Durch die Umstellung auf ETCS wird außerdem der grenzüberschreitende Verkehr erleichtert und auch beschleunigt. Züge werden damit gegenüber dem Straßenverkehr wieder einen Schritt konkurrenzfähiger. "Damit ist eine effizientere und noch sicherere Zukunft im Schienenverkehr gewährleistet, Österreich ist mit seinen Investitionen in Strecken und Fahrzeuge in Europa führend" so Heinzl.

Für Tirols Verkehrslandesrat Bernhard Tilg bringt das neue Zugsicherungssystem viele Vorteile: „Mit der Inbetriebnahme der Unterinntalbahn Ende 2012 steht den Kunden eine moderne und zukunftsweisende Infrastruktur zur Verfügung. Das neueste europäische Zugsicherungssystem bringt für den Tiroler Bahnverkehr mehr Sicherheit, mehr Effizienz und die Möglichkeit zusätzlichen Schwerverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.“


Mehr Sicherheit, mehr Service, mehr Züge
Die EU verpflichtet alle Mitgliedstaaten, beim Neubau und bei der Umrüstung bestehender transeuropäischer Strecken das Zugsicherungssystem ETCS und den GSM-R Zugfunk einzusetzen. Dafür werden sowohl nationale als auch EU-Förderungen gewährt. 

Der Einsatz des interoperablen – also europaweit einsetzbaren – Zugsicherungssystems, das bei allen Neubaustrecken gemäss EU-Vorgabe verwendet werden muss, bietet viele Vorteile:


- ermöglicht wirtschaftlich effizienten, hindernisfreien grenzüberschreitenden Bahnverkehr mit

   einer attraktiven und optimal verfügbaren Infrastruktur


- steigert die Sicherheit und Qualität des Zugverkehrs


- bessere Ausnutzung der Zugtrassen aufgrund kürzerer Zugfolgen und höherer Geschwindigkeit,

   dadurch erhöht sich die Transportkapazität und Wirtschaftlichkeit der Strecke


- zukünftig weniger Schulungsaufwand für Lokführer – Anzeigesystem am Führerstand in jedem

   Level gleich


- keine Ausrüstung der Fahrzeuge mit verschiedenen nationalen Systemen in Zukunft

   mehr notwendig

Helmut Vitzthum,  Lehrlokführer  bei  den ÖBB  zeigt  das  neue Zugsicherungssystem                                                                                                                              Foto: ÖBB

 

Die ÖBB auf dem Weg zu ETCS
Bei ETCS Level 1 werden die Informationen, wie etwa Geschwindigkeit oder korrekte Fahrtstrecke, durch im Gleis verlegte Eurobalisen (Datenpunkte im Gleis), bei Level 2 hingegen per Funk über das Medium GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) an das Fahrzeug übertragen. Auf optische oder akustische herkömmliche Signale kann im Level 2 daher verzichtet werden. 

Der Umrüstung der Bestandsstrecke Wels – Passau bis Ende 2011 auf ETCS Level 1 werden bis Ende 2012 die Bestandsstrecken Wien – St. Pölten und Attnang-Puchheim – Salzburg folgen. Auf der Ostbahn gibt es zwischen Wien und Heygeshalom bereits eine ETCS 1 -Strecke. Diese wird derzeit an die neuesten technischen Spezifikationen angepasst.

Zeitgleich wird ETCS Level 2 ab Ende 2012 auf der Bahnachse Brenner – Kufstein samt der Neubaustrecke im Unterinntal und auf der Neubaustrecke Wien – St. Pölten zum Einsatz kommen.

Insgesamt werden bis Ende 2013 585 Streckenkilometer mit ETCS Level 1 oder 2 ausgestattet. Bis 2021 können die Südbahn und die Westbahn (ausgenommen der Abschnitt St. Pölten – Linz) durchgängig mit ETCS befahren werden.

Fahrzeugseitig werden bis Ende 2012 bereits 163 Loks und alle 51 railjet-Steuerwagen mit den notwendigen ETCS-Komponenten ausgerüstet sein, bis 2015 die gesamte, 382 Loks umfassende Taurus-Flotte der ÖBB.

Die Einführung des hochkomplexen Zugsicherungssystems erfordert das Zusammenspiel der verschiedensten Technologie-Unternehmen. So wurde etwa Alstom mit der Ausrüstung der Fahrzeuge, Thales mit der streckenseitigen Ausrüstung beauftragt. Kapsch CarrierCom liefert die Technologie für GSM-R. Frequentis wurde mit der Systemintegration betraut, Signon Deutschland rundet das Zusammenspiel der verschiedenen Firmen mit Engineering und Consulting ab.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0