Do

30

Jun

2011

Europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken: Spanien schliesst zu Vorreiter Frankreich auf

Vor dreissig Jahren hat der TGV das Hochgeschwindigkeitszeitalter im Europäischen Bahnverkehr eingeleitet. Seither investierten die Europäischen Staaten umfassend in Hochgeschwindigkeit. Einen besonderen Effort leistete Spanien, dessen Hochgeschwindigkeitsnetz erstmals dasjenige des bisherigen Spitzenreiters Frankreich übertrifft. Einen Boom erlebt die Eisenbahn-Hochgeschwindigkeit auch in Asien. China hat in wenigen Jahren das weltweit längste Schnellnetz gebaut.

 

LITRA - Informationsdienst für den Öffentlichen Verkehr

Spanien holt Frankreich ein....                                                         Foto: Marcel Manhart

 

Als 1981 erstmals die orangen «Trains à grande vitesse» (TGV) Paris und Lyon in weniger als zwei Stunden verbanden, hatte dies eine Ausstrahlung weit über Frankreich hinaus. Mit der Hochgeschwindigkeit wurde die Eisenbahn auf lange Distanzen gegenüber Flugzeug und Auto wieder konkurrenzfähig. Obwohl die Wirtschaftskrise und die hohe Verschuldung der Staatshaushalte die Investitionsfähigkeit vieler Europäischer Staaten bremst, geht die Entwicklung der Eisenbahnhochgeschwindigkeit weiter. Ein wichtiger Trend zeigt von «grande vitesse» hin zur «très grande vitesse» mit Reisegeschwindigkeit von 350 km/h und mehr. Beeindruckend ist die Entwicklung in China. Es hat nicht nur das weltweit längste Eisenbahnhochgeschwindigkeitsnetz in Betrieb, sondern baut es um weitere 5657 km aus.

Die LITRA hat die Entwicklung der

Hochgeschwindigkeitsstrecken in Europa in übersichtlicher Form pro Land zusammengestellt.

 

Das Wichtigste in Kürze:


Frankreich
Nach den Feierlichkeiten des 30-jährigen TGV-Jubiläums geht im Dezember dieses Jahres die erste Phase der Ligne à grande vitesse Rhin - Rhône in Betrieb. Die zweite Phase der LGV Est Paris - Strasbourg ist bis 2016 gebaut. Zum Bau weit vorbereitet sind die LGV Bretagne - Pays de Loire gegen Westen, LGV Tours - Bordeaux gegen Südosten und Nîmes - Montpellier - Perpignan.

Spanien
Das Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens hat mit 2056 km erstmals jenes von Frankreich übertroffen. Die jährlich 30 Mio. Fahrgäste sind jedoch noch weit entfernt von den 115 Mio. Kundinnen und Kunden der TGV. Nächster Meilenstein ist 2012 die Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid - Barcelona, die mit 350 km/h Geschwindigkeit eine Reisezeit von zwei Stunden ermöglicht. Eine grosse Anzahl weiterer Strecken sind geplant und abschnittsweise im Bau. Es gilt abzuwarten, inwiefern die Wirtschaftslage und die Verschuldung die Baupläne relativiert.

Deutschland
Deutschland betreibt zwei eigentliche Hochgeschwindigkeitsstrecken Köln - Frankfurt und München - Nürnberg für Geschwindigkeiten von 300 km/h. Es setzt aber vorwiegend auf Ausbaustrecken mit Geschwindigkeiten um 200 km/h. Die Achse Berlin Leipzig/Halle – Nürnberg wird als Neu - und Ausbaustrecke phasenweise ausgebaut. Gleichzeitig hat die Deutsche Bahn neue Züge für Geschwindigkeiten zwischen 230 und 280 km/h bestellt.

Italien
Das Streckennetz in Form eines «T» wird phasenweise verwirklicht. Davon ist der Teil Nord/Süd als Hochgeschwindigkeitsstrecke Torino - Milano - Neapel erstellt, der obere Balken Torino - Milano - Venedig in wenigen Jahren für schnelle Züge bereit. Zudem ist Milano - Genua geplant. Die angekündigten Züge der konkurrierenden Gesellschaft Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) verkehren noch nicht. Die staatliche Trenitalia will den Gegenangriff auf dem Markt mit schnelleren Zügen und vier Klassen starten.

 

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