Einigung im Trassenkonflikt: WESTbahn Management GmbH und ÖBB-Personenverkehr AG verständigen sich auf Fahrplan 2012

Die WESTbahn Management GmbH und die ÖBB-Personenverkehr AG haben den Streit über die Zugtrassen beigelegt. Gemeinsam mit dem Netzzugang der ÖBB-Infrastruktur AG (jener unabhängigen Stelle, die für die diskriminierungsfreie Zuweisung der jeweiligen Zugtrassen verantwortlich ist), konnte eine Lösung gefunden werden, die vor allem für die Bahnkundinnen und Bahnkunden mehr Vorteile mit sich bringt. Auch für die vom Trassenkonflikt betroffenen Nahverkehrsverbindungen konnten Lösungen erarbeitet werden.

ÖBB Railjet und WESTbahn treffen sich derzeit in der Schweiz       Foto: Marcel Manhart

 

Abgehen von Vertrag und Verzicht auf Züge macht Lösung möglich
Möglich wurde die Lösung durch Zugeständnisse beider Unternehmen. Die WESTbahn Management GmbH verzichtet auf die im Rahmenvertrag mit der Zuweisungsstelle vereinbarte Bandbreite für die Zugabfahrtszeiten. Die ÖBB-Personenverkehr AG wiederum verzichtet auf drei Züge, deren Trassen künftig die Westbahn Management GmbH nutzt.


Was ist neu?
Mit dem Markteintritt der WESTbahn Management GmbH wird das Zugsangebot auf der Strecke Wien - Salzburg vergrössert. Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 stehen den Bahnkundinnen und Bahnkunden seitens der ÖBB in Richtung Salzburg ab 06:14 Uhr jede Stunde zur Minute xx.14 ein Railjet und ab 05:44 Uhr zur Minute xx.44 ein ÖBB-InterCity zwischen Wien und Salzburg zur Verfügung. Alle zwei Stunden ab 06:40 Uhr bis 16:40 Uhr fährt zur Minute xx.40 zusätzlich der ICE bis Wels und über Passau weiter nach Deutschland. Die WESTbahn bietet ab 05:32 jede Stunde (zwischen 10:32 und 16:32 jede zweite Stunde) zur Minute xx.32 einen InterCity von Wien nach Salzburg an.


Ab Salzburg fährt der Intercity der WESTbahn ab 05:26 zur Minute xx.26. Seitens der ÖBB fährt ab 06.00 Uhr zur Minute xx.01 der Railjet und zur Minute xx.10 der ÖBB-InterCity. Damit wird den Bahnkunden eine optimale Verteilung der Abfahrts- und Ankunftsmöglichkeiten in Wien und Salzburg ermöglicht. In den Hauptverkehrszeiten gibt es geringfügige Abweichungen von diesem Grundtakt.


Nahverkehrsverbindungen aufrecht
Im Zuge der Verhandlungen konnten auch drohende negative Auswirkungen für den Nahverkehr verhindert werden. Das zusätzliche Überholmanöver beim Regionalzug Attnang-Puchheim - Salzburg im oberösterreichischen Raum entfällt, das heisst die Kunden müssen keine Fahrzeitverlängerung in Kauf nehmen. Die für den Berufs- und Schülerverkehr wichtige Durchbindung Braunau - Steindorf/Salzburg kann beibehalten werden. Ein Umsteigen wäre eine erhebliche Erschwernis für die Bahnkunden gewesen. In der Hauptverkehrszeit in der Früh bzw. am Abend gibt es bei einigen Zügen zwar leichte Anpassungen im Minutenbereich, die wichtigen Ankunftszeiten in den Schulorten können aber gewährleistet werden.

Fact-Box Zugtrassen
Während Autos grundsätzlich fahren können wann und wo sie wollen, muss der Eisenbahnverkehr, ähnlich wie der Flugverkehr, genau geregelt werden. Im Luftverkehr werden so genannte Slots vergeben, auf der Schiene sind es Zugtrassen. Eine Zugtrasse erlaubt einem Zug zu einer bestimmten Zeit eine definierte Strecke (z.B. Wien - Salzburg) zu befahren. Da Züge einen gewissen Mindestabstand zueinander brauchen, kann es auf viel befahrenen Strecken zu Konflikten kommen. Darüber hinaus gibt es schnellere Fernverkehrs- oder Regionalexpress-Züge und langsamere Regional- oder Güterzüge, d.h. von Zeit zu Zeit müssen "Überholmanöver" eingeplant werden, um die Trassen optimal zu nutzen.


Gemeinsam mit einer Vielzahl von Anschlussverbindungen mit möglichst kurzen Umsteigezeiten ergibt sich eine hohe Komplexität. Die Vergabe dieser Trassen und damit die Letztverantwortung für einen konfliktfreien Fahrplan trägt die Stelle "Netzzugang" der ÖBB-Infrastruktur AG, die die Trassen an nachfragende Eisenbahnverkehrsunternehmen diskriminierungsfrei vergibt. All diese Puzzlesteine müssen richtig zusammengesetzt werden, um einen vernünftigen und konfliktfreien Fahrplan zu bekommen. Mit dem Vergleich ist diese Herausforderung für den Fahrplan 2012 jedenfalls geglückt.

 

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