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10

Sep

2012

Für SBB-Chef Andreas Meyer sind weitere Preiserhöhungen unausweichlich

Weniger Touristen, höhere Strompreise, teures Personal: Der Gewinn der SBB ging im ersten Halbjahr 2012 um 27 Millionen Franken zurück. Nun will das Unternehmen die geplanten Rollmaterialkäufe prüfen.

Älteres und neueres Rollmaterial am Bahnhof Schaffhausen          Foto: Marcel Manhart

Die SBB haben im ersten Halbjahr 2012 einen Gewinn von 139,5 Millionen Franken erwirtschaftet – 27 Millionen weniger als im Vorjahr. Sorgen bereiten der SBB der Personenverkehr. Obwohl die SBB im Personenverkehr noch immer einen Gewinn von 64,9 Millionen Franken erzielt haben, ist dieser im Vergleich zum Vorjahr um fast einen Drittel um 29,5 Millionen Franken zurückgegangen, wie die SBB mitteilen.

 

Zwar ist die Zahl der Passagiere mit 964'000 in etwa gleich geblieben wie im Vorjahr – doch sie haben weniger Kilometer zurückgelegt, wie SBB-Chef Andreas Meyer an einer Telefonkonferenz erklärte. Insgesamt verzeichnen die SBB noch 8,6 Milliarden Personenkilometer – 145 Millionen weniger als im Vorjahr.

 

Vor allem beim Tourismus- und Freizeitverkehr sei die Nachfrage gesunken. Gründe für den kleineren Gewinn beim Personenverkehr seien auch die gestiegenen Energie- und Trassenkosten, erklärte SBB-Finanzchef Georg Radon. Aber auch der höhere Personalaufwand schlug zu Buche.

 

So wurden mehr Lokführer eingestellt, weil mehr Züge rollten, wie Meyer erklärte. Wegen der Zweierbegleitung in den Zügen brauchte es zudem mehr Zugbegleiter, und auch die Bahnpolizei sei ausgebaut worden. Die Preiserhöhungen vom vergangenen Dezember hätten diese Mehrkosten nicht kompensieren können.

 

 

Billettpreise steigen


Für Meyer sind zudem weitere Preiserhöhungen unausweichlich. Heute bezahle jeder Zugreisende mit seinem Billett nur einen Teil der anfallenden Gesamtkosten. Den Rest trage die öffentliche Hand. Da die Kosten jedoch stiegen, brauche es Preiserhöhungen. Meyer verwies dabei auf die höheren Trassenpreise ab 2013 mit Mehrkosten von rund 170 Millionen Franken.

 

Die Preiserhöhungen seien zudem notwendig, um das Angebot halten zu können und die Verschuldung in Grenzen zu halten. Eine Versachlichung der Diskussion könnte laut Meyer «ein politisches Übereinkommen bringen, welchen Prozentsatz an den Gesamtkosten ein Billett abdecken muss», sagte Meyer.

Zufrieden ist der SBB-Chef mit der Pünktlichkeit der Züge. Diese ging zwar wegen der Gotthardsperre und widrigen Bedingungen im Winter auf 89,1 Prozent zurück. Dennoch waren die Anschlüsse in 98,3 Prozent der Fälle garantiert.

 

 

Erneut Verlust beim Güterverkehr


Im Güterverkehr haben die SBB einen Verlust von 22 Millionen Franken gemacht. Im Vorjahr betrug der Verlust noch 7,2 Millionen Franken. Insgesamt verzeichnete der Güterverkehr noch 5,9 Milliarden Nettotonnenkilometer - 8 Prozent weniger als im Vorjahr.

 

Das Minus führen die SBB auf die Gotthardsperre und die Konjunkturlage in Europa zurück. So seien weniger bahnaffine Güter wie Stahl, Holz und Papier transportiert worden, sagte Meyer. Gleichzeitig seien mit der Straffung des Bediennetzes und dem Abbau von 200 Verwaltungsstellen Kosten gesenkt worden.

 

Bei der Infrastruktur verzeichnen die SBB ein Minus von 23,4 Millionen Franken. Die gestiegenen Einnahmen aus den Trassengebühren würden vollständig für den noch intensiveren Unterhalt des Bahnnetzes benötigt.

 

 

Gewinn mit Immobilien


Einzig bei den Immobilien verzeichnen die SBB einen Gewinn. Grund dafür seien mehr vermietete Flächen und ein optimierter Mietermix. Ein Teil des Gewinns fliesst jedoch in die Sanierung der SBB-Pensionskasse und ein weiterer Teil in die Sanierung der Infrastruktur.

 

«Die Ergebnisse machen unternehmerisches Handeln notwendig», sagte Meyer. Konkret wollen die SBB die geplanten Investitionen in neues Rollmaterial von einer Milliarde Franken jährlich überprüfen, priorisieren und nur noch in die ertragsstärksten Bereiche mit dem grössten Kundennutzen investieren.

 

Laut Meyer ist dies derzeit der internationale Verkehr. Auf der Nord-Süd-Achse sollen die zusätzlich bestellten ETR610 die Reise erleichtern. Beim Güterverkehr sollen der Wagenladungsverkehr auf rentable Strecken reduziert und der kombinierte Güterverkehr weiterentwickelt werden.

 

 

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