VÖV-GV in Bern: Klare Forderungen der ÖV-Branche zum Agglomerationsverkehr und zur Raumplanung

Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hat an seiner Generalversammlung in Bern neben den statutarischen Geschäften klare Forderungen bezüglich der Finanzierung des Agglomerationsverkehrs sowie einer integrierten Siedlungs- und Verkehrsplanung postuliert. Hauptthemen waren zudem FABI, die Kundenfreundlichkeit der öV-Branche sowie die brancheninterne Zusammenarbeit.

Die Schweiz braucht einen starken ÖV                                             Foto: Marcel Manhart

 

 

Eineinhalb Jahre Einsatz seit der Verabschiedung der Botschaft durch den Bundesrat haben sich gelohnt, Ende Juni verabschiedete das Parlament die Bahnfinanzierungs-Vorlage FABI: Dabei sind fast alle Forderungen des VöV übernommen worden, vor allem die Erhöhung des 1. Ausbau­schrittes von 3,5 auf 6,4 Mia. Franken. Mit FABI wird die ganze Schweiz mit guten öV-Verbin­dungen verknüpft und alle Regionen profitieren. Da die Vorlage für den gesamten öffentlichen Verkehr sehr wichtig ist, engagiert sich der VöV gemeinsam mit der litra im Abstimmungskampf zu FABI (www.fabi-ja.ch / www.oui-faif.ch).

 

Zum Gegenstück zu FABI für die Strasse, dem Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds NAF hat der VöV eine klare Forderung aufgestellt: Die Gelder für Agglomerationsprojekte des öV müssen langfristig gesichert werden, und zwar mindestens im heutigen Ausmass (Infrastruktur­fonds). VöV-Präsident Urs Hanselmann fasste zusammen: «Es muss sichergestellt sein, dass mit dem NAF auch Tram- und Bussysteme in Städten und Agglomerationen weiter ausgebaut werden können.»

 

 

VöV fordert integrierte Siedlungs- und Verkehrsplanung


Die Bevölkerungszunahme von über einem Prozent pro Jahr führt zu einem vermehrten Unbehagen wegen der fortlaufenden Zersiedlung der Landschaft. Es ist absehbar, dass eine Siedlungsverdichtung nach innen in den grossen Städten und entlang ausgewiesener Wachstums­korridore stattfinden wird. Gerade in verdichteten Räumen aber ist der öV im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr besonders effizient. Aus Sicht des VöV ist deshalb der gezielte Ausbau des öV in verdichteten Räumen zwingend erforderlich, um ein weiteres Ansteigen des Individualverkehrs zu vermeiden und um die Zersiedelung einzudämmen. Der VöV verlangt dazu eine integrierte Siedlungs- und Verkehrsplanung nicht nur in den Städten und Agglomerationen, sondern schweizweit. Auch in touristischen Regionen können dank einer koordinierten Planung von Siedlungen, touristischen Anlagen und öV-Erschliessung ein Verkehrschaos vermieden und die einmaligen Landschaften geschützt werden.

 

 

Kundenfreundlichkeit und brancheninterne Zusammenarbeit


An der VöV-GV wurden zwei interne Bekenntnisse betont: Einerseits ist sich die öV-Branche bewusst, dass betreffend «Kundenfreundlichkeit» Handlungsbedarf besteht. Es ist das erklärte Ziel, die Kundenfreundlichkeit vermehrt ins Zentrum zu stellen. Konkret soll den Kundinnen und Kunden ein kundenfreundliches, das heisst einfaches, kalkulierbares und möglichst einheitliches Gesamt-öV-System zur Verfügung stehen. Damit dies erreicht wird, braucht es zwischen dem Direkten Verkehr und den Verbünden gemeinsame koordinierte Anstrengungen und mehr Verbind­lichkeit, wie auch VöV-Direktor Ueli Stückelberger in seiner Rede betonte: «Die brancheninterne Zusammenarbeit ist wichtig, um den Kundinnen und Kunden ein abgestimmtes und einfaches Angebot unterbreiten zu können. Betreffend die gemeinsame Eigentümergesellschaft für die neue öV-Plattform haben wir nun Nägel mit Köpfen zu machen und die notwendigen Grundsatz­entscheide zu fällen.»

 

Nach dem Beschluss an der VöV-GV 2012 zur brancheninternen Zusammenarbeit auf Infra­strukturseite läuft diese Zusammenarbeit seither vor allem auch im Bereich des Personenverkehrs sehr intensiv. Diese Zusammenarbeit spiegelt sich auch in den Beschlüssen der wichtigsten Projekte: Sei es das «Zukünftige Preissystem» (ZPS), die öV-Karte (zusammen mit den Verbünden) oder die Beschlüsse zur Eigentümergesellschaft für die neue öV-Plattform – der Wille zu vermehrter Zusammenarbeit manifestiert sich klar und vielfach. Diese Prozesse und Projektstände sind nicht mehr umkehrbar.

 

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