Di

14

Sep

2010

Kulturzentrum in der ehemaligen Lokremise in St.Gallen eröffnet

Die Lokremise St.Gallen steht der Ostschweiz als Kulturzentrum zur Verfügung. Regierungspräsident Willi Haag und Regierungsrätin Kathrin Hilber haben am Freitag das umgebaute Industriedenkmal den Kulturpartnern übergeben. Die Lokremise am Hauptbahnhof St.Gallen wird ein spartenübergreifendes Zentrum für Theater, Tanz, Film und Kunst.

Hoch erfreut über das gelungene Werk meinte Regierungspräsident Willi Haag, Vorsteher der Baudepartements: "Nach einer hundertjährigen Nutzungs-, einer fünfjährigen intensiven Planungs- und einer fünfviertel-jährigen Bauphase ist etwas ausserordentlich Schönes entstanden." Stiftungspräsidentin Regierungsrätin Kathrin Hilber, Vorsteherin des Departementes des Innern doppelte nach "Mit ihrer Lage, ihrer Architektur, ihrer Atmosphäre und ihrem Konzept ist die Lokremise für Stadt und Kanton St.Gallen ein Glücksfall". Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin sah es ebenso: "Die Lokremise wird das sich entwickelnde Kultur- und Bildungsquartier rund um den Hauptbahnhof massgeblich bereichern".

Die alte Lokremise im neuem Glanz                                               Foto: Kanton St. Gallen

 

Herausforderung für Baufachleute
Zwischen Juli 2009 und September 2010 hat der Kanton St.Gallen zusammen mit den Architekten Isa Stürm und Urs Wolf, Zürich, die Lokremise umgebaut. Das Zürcher Architektenteam entwickelte ein Konzept, das die Lokremise zum offenen und wandlungsfähigen Kulturzentrum macht. Dazu haben sie sich intensiv mit der Geschichte der Lokremise, mit den denkmalpflegerischen Auflagen und mit den Optionen der kulturellen Nutzung auseinandergesetzt. Das grösste erhaltene Eisenbahn-Runddepot der Schweiz ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Die Lokremise wurde von 1903 bis 1911 als Pionierbau der Bahninfrastruktur errichtet und bis Ende der 1980er Jahren als Lokdepot genutzt. Der Umbau dieses Industriedenkmals aus der Hochblüte der Textilindustrie zu einem Kulturprojekt war für alle involvierten Baufachleute eine grosse Herausforderung.

Haus-im-Haus-Prinzip
Heute unterteilen drei selbständige Kuben im Haus-im-Haus-Prinzip den Rundbau in vier verschiedene Zonen, zwei Theaterzonen, eine Kunst- und Performancezone sowie einen Eingangsbereich mit Restaurant. In den eingebauten Kuben sind ein Kinosaal, eine Restaurantküche und eine Theatergarderobe samt Nebenräumen installiert. Ein sichelförmiger Anbau im runden Innenhof gewährleistet den unabhängigen Zugang von der Eingangszone zu den Theatersälen und Nebenräumen. Die vier offenen Raumzonen, die durch die Einheiten ausgeschieden werden, machen die grosszügige Weite des Innenraumes der Lokremise mit seinem frühindustriellen Raumcharakter erlebbar.

Zusätzlich wurde auch das Badhaus sanft saniert, das Büro- und Lagerräume für die Lokremise sowie eine Künstlerwohnung enthält. Der Wasserturm des Betonpioners Robert Maillart, der eine Rauminstallation des Künstlers Christoph Büchel enthält, wird einer Aussenrenovation unterzogen. Da die Bausubstanz schlechter war, als angenommen, dauern diese Arbeiten noch an.

Die Kosten für den Erwerb und den Umbau der Lokremise St.Gallen belaufen sich auf insgesamt 22,64 Mio. Franken. "Die Baukosten summieren sich aufgrund der grossen Dimensionen der Lokremise und des umfassenden Instandsetzungsbedarfes", sagte Regierungspräsident Willi Haag an der Eröffnung. Das Kostendach habe aber eingehalten werden können.

Kulturkanton profilieren
"Die Lokremise wird weit über die Region hinaus Akzente setzen und – im Verbund mit weiteren Projekten dieser Art - zur Profilierung des Kulturkantons St.Gallen beitragen", sagte die Präsidentin der Stiftung Lokremise, Regierungsrätin Kathrin Hilber. Der Ball liege jetzt bei den Kulturpartnerinnen und -partnern und Drittveranstaltern. Der Kanton stellt die Lokremise der Stiftung Lokremise zur Verfügung, die sie wiederum Partnern vermietet. Eingemietet in die Lokremise sind Konzert und Theater St.Gallen, das Kunstmuseum St.Gallen, das Programmkino Kinok und das Restaurant "Lokal". Theater und Kunstmuseum wollen die Lokremise vor allem für experimentelle Theater- und Tanz- beziehungsweise unkonventionelle Ausstellungsformen nutzen. Damit können sie noch näher am Puls der Zeit und den Publikumsbedürfnissen arbeiten. Dem Kinok ermöglicht die Lokremise eine konkrete Weiterentwicklung: Es befindet sich nun in zentraler Lage und verfügt über eine bessere Infrastruktur. Und für alle drei Kulturinstitutionen bietet das gemeinsame Dach vielfältige Möglichkeiten zu spartenübergreifenden Projekten. Das zeigt sich schon im Eröffnungsmonat, mit der Raum-Kunst-Theaterprojekt "Wir Chrononauten".

Theater, Tanz, Film und Kunst
Das Kinok wird die Lokremise am intensivsten bespielen: Es zeigt täglich mindestens zwei Filme. Beim Programm setzt es weiterhin auf formal und inhaltlich innovative Filme. Dazu kommen Retrospektiven, Vorführungen mit Musik, Vorträge und Einladungen an Filmschaffende. Den Beginn macht eine Reihe mit herausragenden Filmkomödien. Konzert und Theater steuern mit dem erwähnten Raum-Kunst-Theaterprojekt "Wir Chrononauten" die eigentliche Eröffnungsproduktion der Lokremise bei. Dazu kommen das Tanzstück "scenes for nothing" (Premiere 29. Oktober) und der Ödön-von-Horvath-Klassiker "Der jüngste Tag" (Premiere 12. November). Das Kunstmuseum St.Gallen schliesslich eröffnet die Lokremise mit "John M Armleder leuchtet ein". In den spektakulären Inszenierungen des international gefeierten Konzeptkünstlers spielt Licht eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund lag es nahe, John M Armleder einzuladen, die Kunstzone in der Lokremise St.Gallen und damit das neue Kulturzentrum künstlerisch einzuleuchten.

Neben diesen Partnerinstitutionen steht die Lokremise auch Drittveranstaltern offen, für Kunst- und Kulturprojekte, für Anlässe verschiedenster Art, von Firmenevents bis zu Kongressen. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem Restaurant "Lokal" zu.

"Der Kanton will mit der Förderung solch hochwertiger Kulturbauten die kulturelle Vielfalt fördern und gute Rahmenbedingungen für die Entfaltung von Kultur schaffen", betonte Regierungsrätin Kathrin Hilber.

 

 

Bericht SF Tagesschau vom 12. September 2010

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