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03

Jan

2011

Ergebnis 2010 der Rhätischen Bahn besser als budgetiert

Im Geschäftsjahr 2010 kann aus heutiger Sicht von einem positiven Jahresergebnis im Rahmen der Vorjahre ausgegangen werden. Die erfreuliche Ergebnisentwicklung ist einerseits auf die leicht höheren Verkehrserträge im Personenreiseverkehr zurückzuführen; die vielen Aktivitäten rund ums Jubiläum 100 Jahre Berninalinie und gleichzeitig ums UNESCO Welterbe RhB haben sich bereits spürbar auf die Frequenzen ausgewirkt. Andererseits liefern auch auf tiefere Personalkosten und reduzierte Abschreibungen und nicht aktivierbaren Investitionsaufwendungen einen positiven Beitrag.

Die Rhätische Bahn ist gut in Fahrt                                                 Foto: Marcel Manhart

 

Zusätzlich können voraussichtlich rund CHF 4,5 Mio. aus den Überschüssen des Nebengeschäftes den Rückstellungen für künftige Wiederbeschaffungen zugewiesen werden.

Die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Die vielen Aktivitäten im Jubiläumsjahr der Berninalinie (5 Events entlang der Berninalinie und viele mehrwöchige Inszenierungen und Ausstellungen) haben grosse Resonanz in der breiten Öffentlichkeit und in den Medien erzeugt; gleichzeitig konnten die Frequenzen und Buchungen auf der Berninalinie von Süden (v.a. Italien) und von Norden im zweistelligen Bereich erhöht werden.
  • Die Erträge im Personenreiseverkehr dürften sich auf rund CHF 93 Mio. belaufen. Das Budget kann insbesondere aufgrund der höheren Erträge im Abonnementsverkehr um ca. 1% übertroffen werden.
  • Im Güterverkehr werden die Erträge unter den Budgetvorgaben ausfallen. Dies infolge der unerwartet tiefen Nachfrage in den Branchen Baumaterialien und Holz.
  • Im Autoreiseverkehr können die Planungsvorgaben nicht ganz erreicht werden. Die Erträge dürften dennoch leicht über das (Rekord-)Niveau des Jahres 2009 ausfallen.
  • Der Personalaufwand wird aus heutiger Sicht mit CHF 141,2 Mio. unter den budgetierten Vorgaben liegen. Der durchschnittliche Personalbestand wird dabei rund 1’312 Personenjahre betragen.
  • Die betrieblichen Aufwendungen entwickeln sich insgesamt im Rahmen der Planungsvorgaben. Minderkosten sind für Abschreibungen und nicht aktivierbare Investitionsaufwendungen zu erwarten.
  • Das weiterhin tiefe Zinsumfeld und die später als geplante Aufnahme von Fremdkapital für die Flottenerneuerung führt zu einem verbesserten Finanzergebnis im laufenden Geschäftsjahr.

Budget 2011
Weiterhin ist ein ausgeglichenes Gesamtergebnis 2011 zu erwarten. Die Tarifmassnahmen im Personenreise- und Autoreiseverkehr werden sich positiv auswirken.

Für das Jahr 2011 erwarten die Experten des SECO, des BAKBASEL sowie der KOF einen Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 1,2 – 1,8%. Damit dürfte das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich langsamer verlaufen als noch im 2010. Speziell das ungünstige Wechselkursverhältnis zwischen dem Franken und dem Euro wird als zusätzlicher Belastungsfaktor die Bruttowertschöpfung im Tourismussektor in Graubünden bremsen.

 

Trotz der weiterhin gedämpften Aussichten über das Wirtschaftswachstum – insbesondere im Tourismussektor – können mit den geplanten Tariferhöhungen im Personenreise- und Autoreiseverkehr auf den Fahrplanwechsel per 12. Dezember 2010 wichtige Mehrerträge geplant werden. Nebst dem Effekt der Tariferhöhungen ist mit dem budgetierten Frequenzwachstum im Personenreiseverkehr von rund 2,5% ein weiterer, wichtiger Bestandteil für ein ausgeglichenes Unternehmensergebnis in der Planung berücksichtigt.

Für das Jahr 2011 ist ein durchschnittlicher Personalbestand von 1’335 Personenjahren vorgesehen. Der personelle Mehrbedarf ist hauptsächlich auf die vom Kanton bestellte punktuelle Angebotserweiterung ins (Ober-) Engadin sowie auf die Übernahme der Betriebsführung am Bahnhof Chur (ex SBB) zurückzuführen.

 

Die Kosten für Abschreibungen auf Anlagen und Fahrzeugen nehmen parallel mit der Inbetriebnahme des neuen Rollmaterials und dem laufenden Bedarf für die Substanzerhaltung der Infrastruktur weiter zu.

 

Insgesamt kann bei einer Erhöhung der Abgeltung von rund CHF 6 Mio. gegenüber dem Geschäftsjahr 2010 weiterhin von einem ausgeglichenen Unternehmensergebnis ausgegangen werden. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass dies nur über eine anteilsmässige Auflösung der in den vergangenen Jahren speziell gebildeten Rückstellung „Startkosten Flottenkonzept“ von rund CHF 4 Mio. erreicht werden kann.

Pro Sparte (Personen-, Autoreise- und Güterverkehr) kann die geplante Ertragsentwicklung gegenüber dem Budget 2010 wie folgt kommentiert werden:

  • Im Personenreiseverkehr sind Erträge von CHF 96,8 Mio. geplant. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahresbudget beträgt fast 5%. Die Ertragsentwicklung wird unter anderem durch die Tariferhöhung auf den Fahrplanwechsel per 12. Dezember 2010 positiv beeinflusst.
  • Im Autoreiseverkehr ist ein leichter Rückgang der Frequenzen gegenüber den Planwerten 2010 zu erwarten. Durch die beschlossene Preiserhöhung kann der Umsatz auf CHF 14,7 Mio. gesteigert werden. Die Anzahl der zu befördernden Fahrzeuge wird auf 488’000 budgetiert.
  • Die voraussichtlich hohe Nachfrage nach Transporten in der Branche Baumaterialien führt im Budget 2011 zu deutlich höheren Erträgen. Insgesamt wird ein Umsatz von CHF 21,1 Mio. erwartet was einer Zunahme von fast 6% gegenüber dem Budget 2010 entspricht. Die Betriebsleistung wird mit 830’000 zu befördernden Tonnen ebenfalls deutlich höher ausfallen.

Die Ergebnisentwicklung in der Sparte Infrastruktur zeichnet sich wie folgt aus:

  • Die Abgeltung für ungedeckte Betriebskosten nimmt gegenüber den offerierten Leistungen des Jahres 2010 um CHF 1,6 Mio. zu. Dieser Abgeltungsmehrbedarf ist hauptsächlich auf markant höhere Energiekosten zurückzuführen, dies primär als Folge der hohen Sanierungskosten der Energieanlagen und der Bahnstrommaschine RhB bei den Kraftwerken Hinterrhein (KHR).
  • Die Abgeltung für Abschreibungen und nicht aktivierbare Investitionsaufwendungen nimmt infolge des Substanzerhaltungseffektes weiter zu.

Die Aufwandpositionen im Budgetjahr 2011 entwickeln sich insgesamt im Rahmen der Vorgaben aus der Mittelfristplanung. Die wesentlichen Abweichungen gegenüber dem Budget 2010 betreffen folgende Kostenpositionen:

  • Der Personalaufwand nimmt um rund CHF 3,1 Mio. zu. Die von Bund und Kanton bestellte Angebotserweiterung, die Übernahme der Betriebsführung am Bahnhof Chur und der Effekt des jährlichen Lohnwachstums führen zu diesen Mehrkosten.
  • Der Sachaufwand nimmt infolge der markant höheren Energiekosten sowie Mehrleistungen für Anschlusstransporte im Güterverkehr zu. Dagegen führt die Übernahme der Betriebsführung am Bahnhof Chur zu einer Verlagerung in die Personalkosten. Die Unterhaltskosten bewegen sich im Rahmen des Vorjahresbudgets.

Die Deckung des Finanzierungsbedarfes in der Sparte Infrastruktur wird ab 2011 neu über eine 2-jährige Leistungsvereinbarung sichergestellt. Dabei werden den Privatbahnen deutlich weniger Mittel für die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur zur Verfügung gestellt als bisher. Die RhB muss den ausgewiesenen Investitionsbedarf von rund CHF 135 Mio. den verfügbaren Mitteln von derzeit ca. CHF 110 Mio. (Stand Oktober 2010) anpassen. Eine mögliche Erhöhung des Gesamtrahmenkredites für die konzessionierten Transportunternehmen durch Bundesparlament ist noch nicht berücksichtigt.

In der Sparte Verkehr ist ein Investitionsvolumen von über CHF 100 Mio. budgetiert. Der nach wie vor hohe Bedarf für die Erneuerung der Rollmaterialflotte (Etappen I – III des Flottenkonzeptes) ist dabei ausschlaggebend. Die Finanzierung muss einerseits über verfügbare Eigenmittel und andererseits über Fremdfinanzierungen am Kapitalmarkt sichergestellt werden.

 

Strategie 2012 – Substanzerhaltung Rollmaterial
Trotz der mit dem Flottenkonzept der Etappen 1 und 2 eingeläuteten Verjüngung der Fahrzeugflotte weist das Rollmaterial noch immer ein hohes Durchschnittsalter von über 30 Jahren auf. Viele Fahrzeuge sind sogar deutlich über 50 Jahre alt. Das ältere Rollmaterial vermag den gestiegenen Kunden- und Marktanforderungen nicht gerecht zu werden und entspricht weitgehend auch nicht den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG). Zudem verursacht dieses Rollmaterial hohe Unterhaltskosten und muss dringend ersetzt werden. Die eingeleitete Modernisierung der Flotte wird deshalb zielstrebig weitergeführt. Am 1. Mai 2010 wurden anlässlich einer grossen Tauffeier die ersten Allegra-Zweispannungstriebzüge dem Betrieb übergeben. Bis Ende 2010 werden bereits 11 Triebzüge im Regelverkehr im Einsatz stehen. Die Triebzüge verkehren vor allem auf der Berninalinie und sind von den Kunden gut aufgenommen worden. Bis Mai 2011 werden weitere 4 Triebzüge ausgeliefert und in Betrieb gesetzt. Die Auslieferung der ersten 4-teiligen Stammnetztriebzüge der Etappe II des Flottenkonzeptes ist auf das Frühjahr 2012 geplant. Diese Fahrzeuge werden im Vorortsverkehr auf der Linie/Strecke Schiers – Thusis eingesetzt. Nebst diesen Neubeschaffungen ist der Abschluss der Lärmsanierungsmassnahmen an 232 Fahrzeugen auf Ende 2011 vorgesehen.  Die Ausschreibung und Evaluation der Etappe III des Flottenkonzeptes mit 7 Gliederzugskompositionen für die Albulalinie ist abgeschlossen worden. Der Verwaltungsrat hat an der Sitzung vom 29. Oktober 2010 dem Beschaffungsantrag für 42 Personenwagen zugestimmt.

 

Inbetriebnahme neue Triebzüge
Auf den Beginn der Sommersaison Mitte Mai 2011 werden alle 15 Zweispannungstriebzüge ALLEGRA ABe 8/12 fahrplanmässig eingesetzt. Die bis dahin im Monatsrhythmus in Betrieb

gehenden Züge verkehren auf den Linien St. Moritz – Tirano, Chur – Arosa und Landquart – Davos – Filisur. Sie ersetzen auf der Berninalinie Triebwagen der zweiten Generation aus den Jahren 1964-1971 und auf dem Stammnetz Lokomotiven aus den Jahren 1947-1953.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ute (Donnerstag, 12 April 2012 19:52)

    Kann mir jemand erläutern bzw. sagen wie nicht aktivierbare Investitionskosten (siehe Artikel) definiert sind?