Di

22

Feb

2011

Grenzüberschreitende Themenkarten im Rheintal erarbeitet

Das Vorarlberger Rheintal und das St.Galler Rheintal sind Wachstumsregionen. Auf beiden Seiten sind die Herausforderungen dieselben, vor allem, was die Bereiche Siedlungsflächen, Nutzung des Lebensraums und Verkehrsinfrastruktur betrifft. Als wichtige Basis für konkrete Kooperationen haben die Raumplanungsstellen des Kantons St.Gallen und des Landes Vorarlberg grenzüberschreitende Themenkarten erarbeitet. Diese wurden am Montag an einer Medienorientierung in Bregenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Medieninformation Kanton St. Gallen

Die S-Bahn FL.A.CH ist derzeit noch eine Baustelle                        Foto: Marcel Manhart

 

Das St.Galler Rheintal umfasst zwölf Gemeinden mit gut 63'000 Einwohnern, auf Vorarlberger Seite zählt man 29 Gemeinden mit 245'000 Einwohnern – insgesamt 41 Gemeinden mit 308'000 Einwohnern. "Viele Themenbereiche können nur gemeinsam angepackt werden, beispielsweise Fragen der überregionalen Verkehrsanbindung oder der Standortattraktivität", sagt der Vorarlberger Landesrat Karlheinz Rüdisser. Aus diesen Gründen gibt es auf beiden Seiten des Rheins vermehrt Projekte und Initiativen, die den Schritt über die Landesgrenzen machen. Dazu gehören insbesondere die Projekte "Agglomerationsprogramm Rheintal" und "Vision Rheintal". Dabei zeigt sich, dass das Tal zum Teil recht unterschiedlich wahrgenommen wird und oft nur recht vage Kenntnisse von der anderen Seite bestehen. Zudem hat sich herausgestellt, dass ein direkter Vergleich statistischer und kartografischer Daten auf Grund unterschiedlicher Erfassungsmethoden vielfach nicht möglich ist und die technischen Systeme eine Zusammenführung bisher nicht oder nur unter grossem Aufwand zuliessen.

Sich grenzüberschreitend ein Bild machen
Dies war Anlass für den Kanton St.Gallen und das Land Vorarlberg, gemeinsam das Projekt "Rheintalatlas" zu starten. "Ziel war es, thematische Karten zu erarbeiten, die vergleichbare Aspekte beider Seiten des Rheins grenzüberschreitend darstellen", erklärt Landesrat Karlheinz Rüdisser. Inzwischen liegen elf Karten vor, die zu zentralen raumplanerischen Aspekten im Rheintal erstmalig ein grenzüberschreitendes Bild wiedergeben. "Bei all den Unterschieden und Gemeinsamkeiten, die beiderseits des Rheins erkennbar sind, zeigt sich dabei letztlich ein zentraler Aspekt", betont Regierungspräsident Willi Haag: "Das Rheintal ist ein gemeinsamer Lebensraum, den es zusammen zu entwickeln gilt." Willi Haag nennt noch einen weiteren Grund: "Im internationalen Standortwettbewerb werden wir nur bestehen können, wenn wir gut zusammenarbeiten."

Planungskarten zu elf Themenbereichen
Bei der Bearbeitung der "Rheintal Karten" gab es laut den Raumplanungverantwortlichen Wilfried Bertsch (Vorarlberg) und Ueli Strauss (Kanton St.Gallen) drei wesentliche Herausforderungen zu bewältigen:

• Ein direkter Vergleich statistischer und kartographischer Daten war aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden vielfach nicht möglich.
• Die geographischen Informationssysteme haben eine Zusammenführung bisher nicht oder nur unter grossem Aufwand zugelassen. 
• Zudem ist in der Bearbeitungsphase ein intensiver fachlicher Austausch erfolgt, indem beispielsweise die unterschiedlichen Begriffsverständnisse (Vorarlberg: "Baufläche"; Kanton St.Gallen: "Bauzone") und rechtlichen Grundlagen abgeklärt werden konnten. 

Das nun vorliegende 36-seitige Werkheft enthält elf grenzüberschreitende Planungskarten zum Rheintal in St.Gallen und Vorarlberg zu folgenden Themen:

• Siedlungsentwicklung
• Kommunale Raumplanung 
• Siedlungsstruktur 
• Grüne Zonen 
• Arbeitsstätten 
• Tagespendler 
• Bevölkerung 
• Wohnungen 
• Hochwasserschutz 
• Naturraum

• Freizeit und Erholung

Die Karten zeigen, in welchen Bereichen Übereinstimmungen beziehungsweise Unterschiede bestehen:

• Der Anteil der Baufläche/Bauzone macht rund ein Siebtel der Gesamtfläche aus – 14 Prozent im St.Galler Rheintal, 16 Prozent auf der Vorarlberger Seite.
• Auf der St.Galler Seite sind 68 Prozent der Fläche als "Grüne Zonen" ausgewiesen, im stärker besiedelten Vorarlberger Rheintal sind es 46 Prozent.
• Knapp 45 Prozent der St.Galler Beschäftigten arbeiten in der Produktion und Sachgütererzeugung, in Vorarlberg sind es gut 30 Prozent
• Tagespendler: Rund 6000 Vorarlberger arbeiten im St.Galler Rheintal, umgekehrt sind es 100 St.Galler, die im Vorarlberger Rheintal arbeiten.

Eine weitere Planungskarte betrifft den Hochwasserschutz. Zum Schutz des Siedlungs- und Wirtschaftsraumes ist es notwendig, eine Flächensicherung zu sicherzustellen. Mit der nun vorliegenden Kartengrundlage ist der aktuelle Planungsstand für beide Seiten des Rheins klar erkennbar und ermöglicht eine bessere grenzüberschreitende Abstimmung.

Nächste Schritte in der Zusammenarbeit
Die Projekte "Vision Rheintal" und "Agglomerationsprogramm Rheintal" sind gemäss Landesrat Karlheinz Rüdisser dabei, sich stärker zu vernetzen und den Blick über die Grenze zu richten. So konnten beispielsweise die bisherigen Erkenntnisse und Ergebnisse der Vision Rheintal bereits in das Agglomerationsprogramm Rheintal integriert und verankert werden.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen dem St.Galler und dem Vorarlberger Rheintal soll weiter gefestigt werden, bekräftigt Regierungspräsident Haag: "Aktuell werden Regierungsbeschlüsse in St.Gallen und Vorarlberg erarbeitet. In diesen wird festgehalten, in welchen Themen- und Arbeitsbereichen die weitere Zusammenarbeit erfolgen soll." Die Beschlüsse sollen im Herbst 2011 auf beiden Seiten des Rheins erfolgen.

Das Werkheft "Rheintal Karten" kann für zehn Euro beziehungsweise zwölf Franken bei den beiden Raumplanungsabteilungen des Landes Vorarlberg und des Kantons St.Gallen bestellt werden.

Die "Rheintal Karten" können auch im Internet unter folgenden Adressen heruntergeladen werden:   www.areg.sg.ch
                                       www.myrheintal.ch
                                       www.vorarlberg.at
                                       www.vision-rheintal.at

Das grenzüberschreitende Bahnangebot zwischen der Region Werdenberg, dem Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg ist heute nicht optimal. Zehn Regionalzugpaare der ÖBB verkehren zwischen Buchs, Schaan und Feldkirch unregelmässig am Morgen, Mittag und Abend. Die Strecke ist durchgehend nur eingleisig, die Bahnhofinfrastrukturen sind veraltet. Der dichte Busverkehr wird im Stossverkehr stark behindert. Im betroffenen Raum bestehen starke Pendlerbeziehungen und häufig Verkehrsstaus. Der öffentliche Verkehr ist heute trotz Stausituationen zeitlich keine wirkliche Alternative zum Individualverkehr. 

Mit dem S-Bahn FL.A.CH soll ein grenzüberschreitendes Bahnangebot geschaffen werden, welches auf die beiden Bahnsysteme der Schweiz und Österreich abgestimmt ist. Geplant ist in einem ersten Schritt zwischen Buchs und Feldkirch ein Angebotsausbau zu einem Halbstundentakt während den Hauptverkehrszeiten. Dies setzt den Bau eines Doppelspurabschnitts im Raum Tisis-Nendeln voraus. Mit diesem Ausbau können in Buchs bessere Anschlüsse in Richtung St.Margrethen und Sargans sowie in Feldkirch nach Bregenz und Bludenz realisiert werden. Der Betrieb der S-Bahn FL.A.CH. soll nach Verwirklichung der notwendigen Bahnausbauten im Jahr 2015 aufgenommen werden.

In einem zweiten Schritt ist vorgesehen, die Zugsläufe über den Knoten Buchs und Feldkirch hinaus zu verlängern. Auf Schweizer Seite wird derzeit geprüft, ob und wie der Zug von Feldkirch über Buchs nach Sargans und Chur geführt werden könnte. Dies bedingt voraussichtlich den Bau eines Doppelspurabschnitts im Raum Buchs-Selvelen. Mit diesem Zug könnten auch die Haltestellen Räfis-Burgerau, Weite, Sevelen und Trübbach bedient und für Bad Ragaz / Maienfeld ein Anschluss an den Intercity von Sargans hergestellt werden. Auf österreichischer Seite wird geprüft, ob die grosse Schlaufe vor der Einfahrt in Feldkirch mit einem Tunnel geschlossen werden könnte.

Da insbesondere im Fürstentum Liechtenstein weite Teile des Siedlungsgebietes abseits der Bahnlinie liegen, ist eine gute Verknüpfung des Bahnangebotes mit einem dichten Busnetz von grosser Wichtigkeit.

Über das Angebotskonzept besteht eine Vereinbarung zwischen dem Kanton St.Gallen, Vorarl­berg und dem Fürstentum Liechtenstein vom Juni 2008. Der Landtag des Fürstentums Liechtenstein hat die Projektierungskosten für den Ausbau auf dem Korridor Buchs-Feldkirch bewilligt. Geplant ist ein Ausbau der ÖBB-Bahnlinie mit geschätzten Kosten von rund 50 Millionen Euro. Im 4. öV Programm 2009-2013 des Kantons St.Gallen ist vorgesehen, das Projekt für den zusätzlichen Zugslauf auf dem SBB-Korridor Buchs-Sargans zur Baureife zu bringen, um im Idealfall im Jahr 2014 mit dem Bau der notwendigen Infrastruktur beginnen zu können.

 

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