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23

Aug

2011

Französische Staatsbahn SNCF an Bord der WESTbahn

Nach Italien und Deutschland expandiert SNCF zu Haselsteiner nach Österreich

 

Die EU-Kartellbehörden gaben bereits im Juni grünes Licht, nun ist auch der kommerzielle Teil des Deals auf Schiene: Die französische Staatsbahn SNCF ist Partner des ÖBB-Konkurrenten Westbahn Management GmbH. Die Franzosen haben sich mit 26 Prozent an der Westbahn-Mutter Rail Holding AG beteiligt, gab Westbahn am Dienstag bekannt.

 

Bericht Der Standard vom 23. August 2011

Die SNCF expandiert  nun auch in Österreich                                  Foto: Marcel Manhart

 

Die Rail Holding AG steht nun zu je 26 Prozent im Eigentum des Strabag-Chefs Hans-Peter Haselsteiner, des früheren ÖBB-Personenverkehr-Vorstandsdirektors Stefan Wehinger sowie SNCF. 22 Prozent hält die Schweizer Augusta-Holding. Angaben zum Kaufpreis machte Westbahn nicht.

Die Gesamtinvestition in das Eisenbahnprojekt Westbahn beziffert Schönherr Rechtsanwälte, die den Deal anwältlich betreut haben, mit rund 130 Millionen Euro. Eine Expansion des Westbahn-Betriebs auf weitere Strecken in Österreich und Osteuropa werde geprüft, so die Kanzlei in ihrer Mitteilung.

Ihre ersten Züge zwischen Wien und Linz beziehungsweise Wien und Salzburg führen will die neue Westbahn mit dem Wechsel zum Winterfahrplan am 11. Dezember 2011. Platzhirsch ÖBB-Personenverkehr muss dann mit scharfer Konkurrenz auf seiner wichtigsten und vor allem finanziell einträglichsten Strecke rechnen - und mit einem harten Preiskampf. Da die Westbahn auf staatlich gestützte Vielfahrer-Ermäßigungen nach Art der ÖBB-Vorteilscard nicht zurückgreifen kann, wird sie den Fahrpreis so ansetzen, dass er mit dem Vorteilscard-Tarif mithalten kann.

Im Gegensatz zum ÖBB-Personenverkehr, der Zugbegleiter über kurz oder lang nur mehr im Fernverkehr an Bord haben wird, will die Westbahn pro Zug mehrere einen Schaffner haben, um exzellentes Service bieten zu können, wie Westbahn betont. Dafür verzichtet Westbahn-Chef Wehinger auf Ticketverkauf an Kassen in den Bahnhofshallen, Fahrkarten sollen im Zug verkauft werden. Dem Vernehmen nach war man in den Verhandlungen mit dem ÖBB-Personenverkehr sowie der für Bahnhöfe zuständigen ÖBB-Infrastruktur kostenseitig nie auf einen grünen Zweig gekommen.

Anders als im ÖBB-Fernverkehr werden bei der Westbahn nur Snacks, Heiß- und Kaltgetränke serviert. Sie sollen von der Wiener Bäckerei Ströck angeliefert werden, sofern die Verhandlungen positiv abgeschlossen werden. Ströck liefert die Ware, serviert wird von Westbahn-Mitarbeitern, darüber hinaus wird es in den bei Stadler Rail in der Schweiz bestellten Zugsgarnituren vier Cafés pro Zug geben. Ob deren Sitze tatsächlich "weich, aus Leder wie in französischen Zügen" sein werden, wie von Wehinger erträumt, wird man spätestens im Dezember wissen.

 

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