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28

Apr

2013

ÖBB: Positives Konzernergebnis 2012 - Sanierungserfolge in allen Teilkonzernen

Der ÖBB-Konzern hat 2012 - ein Jahr früher als geplant - mit einem deutlichen Gewinn von 66,5 Mio. Euro (EBT) abgeschlossen. Das Ergebnis konnte gegenüber der Bilanz 2011 (minus 27,9 Mio. Euro) um 94,4 Mio. Euro verbessert werden. Das Jahresergebnis liegt somit über dem angepeilten Ziel einer schwarzen Null, auch alle Teilkonzerne haben positiv bilanziert. Haupttreiber des Ergebnisses waren signifikante Ergebnisverbesserungen der Rail Cargo Austria AG (EBT plus 29,0 Mio. Euro) sowie Umsatzzuwächse der Personenverkehr AG (EBT plus 41,5 Mio. Euro). Auch die ungarische Güterverkehrstochter Rail Cargo Hungaria konnte erstmals mit 13,5 Mio. Euro EBT positiv bilanzieren. Der Teilkonzern Infrastruktur AG schloss das Bilanzjahr 2012 mit einem EBT von 8,8 Mio. Euro ab.

ÖBB - Erfolgreich unterwegs im 2012                                            Foto: Marcel Manhart

 

 

Die ÖBB sind wieder auf Spur, die konsequente Umsetzung des Sanierungsprogrammes "FIT 2015" zeigt trotz zunehmend schwierigem gesamtwirtschaftlichem Marktumfeld deutliche Erfolge. Die ÖBB konnten im Geschäftsjahr 2012 die gesetzten Ziele übererfüllen und ein Jahr früher als geplant ein deutlich positives Ergebnis erzielen. Sowohl betriebswirtschaftliche als auch markt- und kundenrelevante Kennzahlen zeigen signifikante Verbesserungen.

 

 

Moderne Infrastruktur zeigt Wirkung: stark steigende Fahrgastzahlen

 

Der Trend zum öffentlichen Verkehr hat sich im letzten Jahr, besonders im Nahverkehr, deutlich verstärkt. 464 Mio. KundInnen (ein Plus von 3,3%) nutzten 2012 das Angebot der ÖBB (Vorjahr: 449 Mio.). Vor allem auf der Schiene führten hohe Benzinpreise und steigendes Umweltbewusstsein zu einem deutlichen Anstieg der bahnfahrenden KundInnen. Ein siebenprozentiges Fahrgastplus von 15 Mio. auf 224 Mio. BahnfahrerInnen (2011: 209 Mio.) zeigt, dass die Qualitäts- und Serviceverbesserungen vom Markt wahr- und angenommen werden. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in den besseren Bewertungen der Kundenbefragungen, wie z.B. beim unabhängigen VCÖ-Bahntest, wider, bei dem rund 12.000 BahnfahrerInnen befragt wurden. Einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Fahrgastzahlen leisten die umfangreichen Infrastrukturinvestitionen wie z.B. die Inbetriebnahme der Hochleistungsstrecke zwischen Wien und St. Pölten. Erstmals hat die Bahn mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 230 km/h das Auto überholt. Die daraus gewonnenen Fahrzeitverkürzungen auf 2:22 Stunden Wien-Salzburg, 1:15 Stunden Wien-Linz oder 25 Minuten Wien-St. Pölten sind ein wesentliches Argument zum Umstieg auf die Bahn. Mit der Teilinbetriebnahme des Wiener Hauptbahnhofes wurde ein wichtiger Meilenstein für die zukünftige Verkehrsdrehscheibe im Herzen Wiens gesetzt.

 

 

Angebotsverbesserung durch Service- und Qualitätsoffensive

 

Konstant hohe Pünktlichkeitswerte von rund 97%, mehr Komfort bei Bahnreisen z.B. durch den Einsatz des ÖBB-Premiumzuges railjet auf der Südstrecke, neues Catering und attraktive Ticketangebote wie die "SparSchiene" sind weitere Erfolgsfaktoren für das Verkehrsmittel Bahn. Seit Einführung des günstigen Ticketmodells "SparSchiene" im September 2011, das auf die bessere Auslastung von schwächer frequentierten Verbindungen abzielt, konnten bereits 1,6 Mio. Tickets verkauft werden. Auch im Vetrieb wurden mit der Vereinfachung der Tariflandschaft und der Neugestaltung des Online-Ticketshops wichtige Maßnahmen für mehr Kundenfreundlichkeit umgesetzt. Weitere Qualitätsverbesserungen gab es beim WLAN im Zug und in den Bahnhofs-Lounges. Der Markenwert der ÖBB konnte 2012 erneut über 10% gesteigert werden (Quelle: Eurobrand).

 

 

RCA: Positives Ergebnis trotz schwieriger Marktsituation

 

Der Teilkonzern RCA hat einen wesentlichen Beitrag zum Gesamtergebnis des Konzerns geleistet. Die Güterverkehrssparte konnte 2012 ihr Ergebnis (EBT) um 77,6 Mio. Euro auf plus 29,0 Mio. Euro verbessern (2011: minus 48,6 Mio. Euro). Strukturmaßnahmen wie die klare Konzentration auf Kerngeschäfte, Reduktion der Auslandsbeteiligungen und weitere Optimierungen im Bereich Produktion waren maßgeblich bei der konsequenten Umsetzung des Turn-Around Programmes. Trotz steigendem Wettbewerb im liberalisierten Güterverkehrsmarkt konnte RCA ihren Marktanteil konstant hoch bei 84% halten. Sowohl RCA als auch RCH bleiben in ihren Heimatländern jeweils klarer Marktführer. Die Transportleistung hat sich durch die gezielte Rücknahme von unwirtschaftlichen Geschäften auf 25,6 Mrd. Tonnenkilometer reduziert (2011: 27,3 Mrd. Tonnenkilometer).

 

 

Konzernkennzahlen im Überblick

 

Die Gesamterträge des Konzerns sind 2012 um 64,8 Mio. Euro auf 6.267,2 Mio. Euro gestiegen (2011: 6.202,4 Mio. Euro*). Die Gesamtaufwendungen konnten mit 5.574,4 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr um 34,8 Mio. Euro (2011: 5.609,2 Mio Euro) reduziert werden. Die Umsatzerlöse des ÖBB-Konzerns wurden 2012 um 19,8 Mio. Euro auf 5.244,0 Mio. Euro (2011: 5.224,2 Mio. Euro*) gesteigert.

 

*Anpassung des Vorjahreswerts aufgrund einer Umstellung auf Nettodarstellung, siehe Geschäftsbericht Seiten 35 und 89

 

Führungsstrukturen bereinigt - Mitarbeiterstand erstmals unter 40.000

 

Die Zahl der MitarbeiterInnen wurde im vergangenen Jahr weiter reduziert. Mit Stichtag 31.12.2012 waren 39.833 MitarbeiterInnen im ÖBB-Konzern beschäftigt. Zusätzlich bilden die ÖBB aktuell 1.814 Lehrlinge aus. Insgesamt wurde der Mitarbeiterstand seit 2009 von 43.605 um 9% reduziert. Zum Vergleich: 1990 waren noch 67.153 MitarbeiterInnen im Konzern beschäftigt. Besonders deutliche Ergebnisse wurden bei der Straffung der Führungskräftestrukturen erzielt. Seit 2009 wurde die Zahl der Führungspositionen im Konzern um knapp 50% von 1.224 auf 639 Stellen gesenkt. Insgesamt wurde ein stabiler Personalsockel erreicht und somit ein wichtiger Kostenbeitrag für den Sanierungskurs verankert. Auch beim Thema Pensionen konnten die ÖBB im Jahr 2012 die gesetzten Ziele erreichen. Mit 465 Pensionierungen gab es die niedrigste Zahl an Eintritten in den Ruhestand seit mehr als 10 Jahren. Die organisatorischen Pensionierungen - sogenannte "Frühpensionierungen" - wurden wie angekündigt vollständig eingestellt. Das altersbedingte Pensionsantrittsalter 2012 nähert sich mit 59,4 Jahren bereits stark an das ASVG-Niveau an (60,8 Jahre).

 

Kunden, Märkte und Talente gewinnen

 

Der eingeschlagene Gesundungsweg der ÖBB wird auch 2013 fortgesetzt. Alle Teilkonzerne müssen ihre strategischen Vorgaben konsequent weiter verfolgen, um für die Herausforderungen des Marktes in einem schwieriger werdenden konjunkturellen Umfeld gerüstet zu sein. 


Im Personalbereich stellen der Stopp der "Frühpensionierungen" und die Überalterung der Belegschaft neue Herausforderungen für das nachhaltige Personalmanagement des Konzerns dar. Trotz der zu erwartenden altersbedingten Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit müssen für Mitarbeiter adäquate Arbeitsplätze und -bedingungen geschaffen werden, um sie bis zum Regelpensionsalter im Unternehmen beschäftigen zu können. Ein wesentliches Instrument zur Regulierung der Arbeitsressourcen stellt die Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 38,5 Stunden dar. Auch die langfristige Sicherung des unternehmensinternen Know-Hows muss gewährleistet werden. Erste Schritte am Weg dorthin sind die Übernahme von rund 400 LeasingmitarbeiterInnen, ein konzernweites Nachfolgemanagement, das ÖBB-Traineeprogramm und die ÖBB-Bildungsakademie.


Im Personenverkehr geht man von einem anhaltenden Wachstumstrend aus. Die ÖBB tragen dem durch weitere Angebotsausweitungen wie z.B. einem 2-Stunden Takt zwischen Graz-Salzburg/Innsbruck und Verbesserungen im Kundenservice Rechnung. 100 neue Nahverkehrszüge und 700 neue Postbusse werden die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln weiter attraktivieren. Auch im Ticketbereich arbeiten die ÖBB konsequent an der Vereinfachung des Angebotes. 


Die Fortschritte bei großen Infrastrukturprojekten wie die Teilinbetriebnahme des Wiener Hauptbahnhof 2012 oder die Ende 2013 bevorstehende Fertigstellung des Salzburger Hauptbahnhofes  werden den KundInnen ein noch höherwertiges Reiseerlebnis bieten. Auch im Süden Österreichs werden die KundInnen durch die Fertigstellung der Bahnhöfe Graz und Bruck a.d. Mur 2013 von der Bahnhofsoffensive der ÖBB profitieren. 
 Nach Amstetten wird in Salzburg mit Fahrplanwechsel 2013/2014 der nächste große Vollknoten in Betrieb gehen, der durch aufeinander abgestimmte und leicht zu merkende Abfahrtszeiten Bahnfahren wesentlich einfacher machen wird. Weitere Vorteile sind eine Optimierung der Schnittstellen zwischen Bahn und Bus, mehr Verbindungen sowie kürzere Fahrzeiten. Bis 2025 soll ein Taktfahrplan für ganz Österreich umgesetzt werden. 
Die schwache Konjunktur, die Strukturkrise des europäischen Güterverkehrs und ein ungebremster Preisverfall beeinflussen die Sanierung der Rail Cargo Austria AG stark. Der Restrukturierungskurs wird trotz Gegenwind fortgesetzt. Die Schwerpunkte liegen auf der weiteren Internationalisierung in Südosteuropa, einer offensiven Wachstumsstrategie in den Heimatmärkten Österreich und Ungarn sowie der Fokussierung auf klar definierte Schlüsselbranchen. 


Konzernziel ist eine Ergebnisverbesserung um 500 Mio. Euro bis 2015, um die Kapitalkosten zu verdienen und die Unternehmenssubstanz nachhaltig abzusichern. Mit dem 2012 erzielten Gewinn von 66,5 Mio. Euro wurde ein wichtiges Etappenziel bei der Sanierung des Unternehmens ein Jahr früher als geplant erreicht.

 

 

 

 

ÖBB Bilanz Pressekonferenz

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