Sa

10

Jul

2010

Die SBB und die DB bauen ihre Partnerschaft im internationalen Personenverkehr aus

Mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding haben SBB Chef Andreas Meyer und Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG und der DB Mobility Logistics AG, den gemeinsamen Ausbau des Bahnverkehrs zwischen der Schweiz und Deutschland vereinbart. Dank Infrastrukturausbauten, der Beschaffung neuer Fahrzeuge und kürzerer Reisezeiten soll das Bahnfahren zwischen den beiden Ländern noch attraktiver werden. Um den daraus resultierenden Verkehrszuwachs optimal vermarkten zu können, beabsichtigen die beiden Bahnunternehmen die Gründung einer neuen gemeinsamen Tochtergesellschaft.

SBB und die Deutsche Bahn (DB) stärken ihre Kooperation im grenzüberschreitenden Fernverkehr. Ziel der Partner ist es, den Marktanteil der Schiene zwischen Deutschland und der Schweiz weiter auszubauen. Dazu soll eine neue gemeinsame Tochtergesellschaft geschaffen werden. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding haben heute SBB CEO Andreas Meyer und Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der DB, in Basel unterzeichnet.

«Wir wollen das grosse Potenzial des Infrastrukturausbaus in Deutschland und der Schweiz im Sinne unserer Kunden nutzen», betonte Dr. Rüdiger Grube. «Das heisst: Mehr internationaler Schienenverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz mit höherem Komfort und kürzeren Reisezeiten. Mit der SBB wissen wir dafür einen wichtigen und verlässlichen Partner an unserer Seite.»

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin......                                        Foto: Marcel Manhart

 

Zwei starke Marken und das beidseits hohe Qualitätsbewusstsein bilden das Fundament der Zusammenarbeit. Bereits heute bieten SBB und DB täglich rund 35 Direktverbindungen im Fernverkehr zwischen beiden Ländern an – im letzten Jahr wurden diese grenzüberschreitend von über 4,5 Mio Fahrgästen genutzt. Zwischen 2006 und 2009 konnte trotz des zuletzt schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes die Zahl beförderter Personen zwischen beiden Ländern pro Jahr um durchschnittlich knapp 3 Prozent gesteigert werden. Und der Trend hält an: Auch im ersten Halbjahr 2010 wurde eine erfreuliche Steigerung um über 7 Prozent verzeichnet. SBB und DB sind überzeugt, künftig weiter Boden gegenüber den Verkehrsträgern Auto und Flugzeug gewinnen und noch mehr Reisende auf der Schiene befördern zu können.


Zeitgewinne sowie mehr und neue Züge
Auf Basis der seit 2006 bestehenden erfolgreichen Kooperation «Rheinalp» wollen die Partner ein gemeinsames Korridormanagement einrichten. Damit werden die Vermarktungsaktivitäten weiter gestärkt und ein ganzheitliches Qualitätsmanagement der Verkehre ermöglicht. Mit einem Anteil von 60 Prozent soll die SBB die Mehrheit an der neuen Tochtergesellschaft halten. Der Sitz der Gesellschaft soll in der Schweiz liegen.

Für den per Ende 2014 angepeilten Angebotsausbau ist eine moderne und deutlich grössere Fahrzeugflotte erforderlich. Auch sollen im Gegensatz zu heute wieder mehr SBB Züge in das nördliche Nachbarland verkehren. Eine entsprechende Ausschreibung wird vorbereitet; ein Ersteinsatz der Züge wird für Dezember 2014 angestrebt. «Wir wollen über eine Milliarde Franken in neue Fernverkehrszüge investieren», sagt SBB Chef Andreas Meyer, und ergänzt: «Das Zusammengehen mit der DB verdeutlicht die Bedeutung unseres Marktes und unseres Know-hows, stärkt gleichzeitig auch unser Selbstvertrauen auf dem Parkett des internationalen Personenverkehrs.»

Das Zugangebot zwischen der Schweiz und Deutschland soll im Rahmen der Kooperation weiter ausgebaut werden. Dank der grossen Infrastrukturausbauten in der Schweiz sowie in Deutschland profitieren die Kundinnen und Kunden künftig auch von kürzeren Fahrzeiten im grenzüberschreitenden Verkehr. So sinkt die Reisedauer dank der voraussichtlich ab 2016 durchgehend elektrifizierten Strecke Zürich–München um rund 40 Minuten; die Zahl der Verbindungen zwischen den beiden Metropolen soll auf diesen Zeitpunkt hin nahezu verdoppelt werden. Die bayrische Landeshauptstadt wird dann ab Zürich in 3 Stunden und 30 Minuten zu erreichen sein, was die Relation auch für Geschäftsreisende attraktiver macht. Durch den geplanten Ausbau der Oberrheinstrecke bis 2022 versprechen sich die beiden Bahnen zudem eine Reisezeitverkürzung von einer halben Stunde zwischen Basel und Frankfurt. Statt der heutigen 3 Stunden würde die Fahrt Basel–Frankfurt dann noch 2 Stunden und 30 Minuten dauern. Für deutsche Urlauber rücken auch die sehr beliebten Reiseziele im Wallis, im Tessin oder in Graubünden näher. Mit der vorgesehenen Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels ab 2018 ist beispielsweise Lugano von Stuttgart aus in weniger als fünf Stunden erreichbar.

 

 

Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:

Besser spät als nie
Endlich, endlich kommt Bewegung in die Sache. Nach jahrelanger systematischer Vernachlässigung des internationalen Personenfernverkehrs, ist am 93 Juli 2010 ein „Memorandum of Understanding“ zwischen SBB und DB kommuniziert worden. Pro Bahn Schweiz, die Vertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, dass es in dieser Beziehung (endlich) einmal konkret vorwärts gehen und das Bahnangebot zwischen den beiden Ländern ausgebaut werden soll.

Gut Ding muss Weile haben
Bis 2014 – also ganze fünf Jahre – soll es dauern, bis die von den SBB neu zu beschaffende Schweizer Fahrzeugflotte schweizerische Qualitätsusanzen bis nach München, Stuttgart und Frankfurt bringen wird. Es gibt aber noch weitere Destinationen wie Hamburg, Berlin, Köln oder Dresden – die zum Teil heute schon ohne Umsteigen erreichbar sind. Auch hier darf es durchaus ein wenig mehr sein. Dass dank der – auch von der Schweiz mitfinanzierten – Elektrifizierung zwischen Lindau und Geltendorf bei München die bayrische Landeshauptstadt rascher erreicht wird, ist positiv zu werten, aber auch zu fordern, dass dort die schweizerischen Züge gute Anschlüsse im innerdeutschen Netz vermittelt bekommen.

Es darf auch ein wenig schneller sein
Pro Bahn Schweiz wünscht sich aber vermehrt und sofort konkrete Taten – die ohne Verzug in die Tat umgesetzt werden sollten. Beispielsweise die heute unzureichende Verbindung nach Stuttgart oder die zu häufigen Verspätungen im deutschen Bahnnetz. Das Gleiche gilt für die Gültigkeit der Billette – internationale Fahrausweise sollten analog des City-Tickets auch im Zielgebiet gültig sein.

Trotzdem positiv
Bei der neuen Tochtergesellschaft beträgt der Anteil der SBB 60 % und der Sitz der Gesellschaft wird sich in der Schweiz befinden. Es ist zu wünschen, dass sie mit dem nötigen Einfluss ausgestattet wird, um die Anliegen der schweizerischen Kunden zu vertreten. Wie auch immer: Pro Bahn Schweiz wünscht der Kooperation viel Erfolg, damit das Bahnfahren zwischen den beiden Ländern wirklich attraktiv wird.

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