Fr

12

Aug

2011

ETCS wird in der Schweiz zum Standard in der Zugbeeinflussung

Die älteren Zugbeeinflussungssysteme auf dem Schweizer Normalspur-Bahnnetz (SIGNUM und ZUB) werden durch das zukunftsträchtige, europaweit harmonisierte European Train Control System (ETCS) ersetzt. Die Arbeiten für den flächendeckenden Einsatz von ETCS Level 1 Limited Supervision bis 2018 sind auf Kurs. Das Bundesamt für Verkehr startet nun die nächste Etappe: den flächendeckenden schrittweisen Ausbau von ETCS Level 2 ab dem Jahr 2025. Dies bringt in Zukunft eine leistungsfähige Zugbeeinflussung auf dem Schweizer Normalspurnetz ohne klassische Aussensignale.

SIGNUM und ZUB werden durch ETCS ersetzt                                  Foto: Marcel Manhart

 

Ab 2018 wird die Zugbeeinflussung auf allen normalspurigen Eisenbahnstrecken in der Schweiz mit ETCS Level 1 Limited Supervision (L1 LS) betrieben. Auf einzelnen Strecken wie der Nord-Südachse wird ETCS L1 LS bereits Ende 2015 zur Verfügung stehen.

Infrastrukturseitig ist der Wechsel zu ETCS L1 LS ein Zwischenschritt. Er erlaubt eine optimale Ablösung der bisherigen, streckenseitigen Systeme SIGNUM und ZUB, ohne dass dazu Stellwerke vorzeitig ersetzt werden müssen.

Bereits stehen heute in der Schweiz mit der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist, der Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil und dem Lötschberg-Basistunnel drei Abschnitte mit ETCS Level 2 erfolgreich in Betrieb. Im Unterschied zu Level 1 kann mit Level 2 auf klassische Signalisierung (Vor- und Hauptsignale) an der Strecke verzichtet werden. Das BAV hat entschieden, ab 2025 ETCS Level 2 sukzessive auf das ganze Normalspurnetz auszudehnen, namentlich beim Ersatz von veralteten Stellwerken, oder wenn Anlagen aufgrund von Kapazitätserweiterungen angepasst werden müssen.

Führerstandsignalisation
Mit ETCS Level 2 erhalten die Lokführer die nötigen Informationen – zum Beispiel über die zulässige Geschwindigkeit auf dem betreffenden Streckenabschnitt – direkt auf einen Bildschirm im Führerstand übermittelt. ETCS Level 2 ist die Voraussetzung für Geschwindigkeiten über 160 km/h und/oder kürzere Zugabstände. Auch unterhalb 160 km/h ist der Bahnbetrieb mit ETCS stabiler und wirtschaftlicher, da weniger optische Signale, Kabel und andere Komponenten im Gleisbereich unterhalten werden müssen.

Vorgezogene Einführung von ETCS L2 auf der Rhonetalstrecke und im Tessin
Auf der Rhonetalstrecke (erster Abschnitt Pully-Montreux) wird im Rahmen der bevorstehenden Stellwerksablösungen ETCS Level 2 bereits ab 2015, etappiert eingeführt. Dort sollen weitere Erfahrungen mit dem System gesammelt werden. Auch der Südanschluss des Gotthard Basistunnels zwischen Pollegio Nord und Castione Nord wird, analog dem Nordanschluss, vorzeitig mit ETCS Level 2 ausgerüstet. Der Bund unterstützt unter gewissen Bedingungen die ETCS-Nach-rüstung von Fahrzeugen, die auf diesen Strecken zum Einsatz kommen.

Hintergrundinformationen zu ETCS
Mit dem Einsatz von ETCS sind Mehrfachausrüstungen bei den Zugbeeinflussungs-systemen (strecken- und fahrzeugseitig) nicht mehr nötig. Damit lassen sich die Beschaffungs- und Instandhaltungskosten senken. Weitere Vorteile von ETCS sind eine hohe Sicherheit auch bei sich verändernden Bedingungen wie Mehrverkehr oder höhere Geschwindigkeit, eine höhere Kapazität sowie bessere Betriebsstabilität und Zuverlässigkeit. ETCS entspricht dem europaweit harmonisierten Standard für die Zugbeeinflussung im Bahnverkehr.

Bei der Zugbeeinflussung handelt es sich um technische Systeme, welche die Fahrt von Zügen in Abhängigkeit von der zulässigen Geschwindigkeit kontrollieren. Bei einer Abweichung (z.B. zu hohe Geschwindigkeit, Überfahren eines Stopsignals) greift das System ein und bremst den Zug automatisch.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0