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04

Feb

2012

Österreicher steigen um: Bahn und Bus boomen

Immer mehr Arbeitnehmer lassen ihren Wagen stehen. ÖBB und Wiener Linien verzeichnen derzeit Rekordzuwächse.

 

Von Elias Natmessnig und Katharina Salzer - KURIER vom 02. Februar 2012

Auch die Wiener S-Bahn verzeichnet mehr Passagiere                   Foto: Marcel Manhart

 

Das Rätsel um den Autoschwund auf Wiens Strassen ist gelöst. Tausende Pendler sind angesichts der hohen Spritpreise, lähmender Parkplatzsuche und Staus auf die Öffis umgestiegen. Die Entwicklung könnte so weitergehen, belegen Untersuchungen, die dem KURIER vorliegen. Denn die Fahrgastzahlen der ÖBB und der Wiener Linien steigen stark an.

So fuhren Ende 2011 täglich um 4000 Menschen mehr mit den S-Bahnen als noch zu Beginn des Vorjahres, das ist ein Plus von 2,5 Prozent. Die höchste Zuwachsrate kann mit 7 Prozent die Ostbahn verzeichnen, dort fahren jeden Tag rund 1000 Personen mehr.

 

 

60.000 Personen

Auch die schon stark von Pendlern frequentierte Südbahn kann ein Plus von mehr als 3 Prozent innerhalb eines Jahres vorweisen, knapp 60.000 Personen kommen so täglich nach Wien. „Erste Erhebungen zeigen, dass sich der Trend auch im Jänner fortgesetzt hat“, sagt ÖBB-Sprecher Herbert Ofner.

Auf der Weststrecke blieben die Zahlen der ÖBB konstant, dazu kam jedoch die neue Konkurrenz. „Derzeit sind unsere Züge zu 50 Prozent ausgelastet“, sagt Westbahn-Sprecher Manfred Mader. Pro Tag begrüßt die Westbahn knapp 6000 Fahrgäste, viele davon auf dem Weg nach Wien. Und es könnten mehr werden. Mader: „Es spielt uns auch in die Hände, dass in Wien die Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet wird.“

 

 

Jahreskarte 

Auch die Wiener lassen ihr Auto offenbar immer öfter stehen. „Wir bemerken derzeit einen Boom bei Jahreskarten-Neukunden“, sagt Dominik Gries, Sprecher der Wiener Linien. Während sonst 2000 Neukunden pro Monat eine Jahreskarte lösen, waren es im Jänner mehr als 8000. Das ist eine Vervierfachung. Was auch daran liegen könnte, dass die Jahreskarte ab Mai billiger wird (365 statt bisher 449 Euro).

Rechnet man alle Zahlen zusammen, so sind mehr als zehntausend Menschen in und um Wien auf Öffis umgestiegen. Viele davon verzichten ganz auf ihr Auto. Noch immer gibt es aber genug Potenzial für ÖBB und Co. Denn noch 2010 waren mehr als 68 Prozent der Pendler mit ihrem eigenen Auto unterwegs.

 

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