Do

26

Apr

2012

646 mal um die Erde: Da gibt es grosses Umsteigepotenzial

Im Freizeitverkehr liegt ein beträchtliches Potenzial brach: Etliche Autofahrten könnten durch solche mit dem öffentlichen Verkehr ersetzt werden. Eine Studie im Auftrag des Schweizerischen Bundesamts für Raumentwicklung ARE veranschlagt das realisierbare Potenzial insgesamt auf rund 26 Millionen Kilometer pro Tag. Das sind nicht weniger als 646 Erdumrundungen.

Mobil(ity) mit ÖV und Auto                                                              Foto: Marcel Manhart

 

Bei günstigen Bedingungen könnten sich viele Menschen dazu entschliessen, ihre Freizeitziele statt mit dem Auto mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuss oder mit dem Velo anzusteuern. Das ist der Befund einer Studie, die das Bundesamt für Raumentwicklung ARE in Auftrag gegeben hat. Würde das Umsteigepotenzial gänzlich ausgeschöpft, würden 25.1 Millionen Kilometer oder 626 Erdumrundungen pro Tag nicht länger mit dem Auto, sondern mit dem öffentlichen Verkehr (öV) zurückgelegt.

 

Das Potenzial, das Auto stehen zu lassen und Freizeitaktivitäten mit eigener Muskelkraft – mit dem Velo oder zu Fuss – anzupeilen, beziffern die Autoren auf zusätzliche 800 000 Kilometer oder knapp 20 Erdumrundungen täglich. Die Studie beschränkte sich darauf, das Potenzial bei den häufigsten Freizeitaktivitäten auszuloten: bei Fahrten zu Bekannten und Verwandten, bei Besuchen, die Restaurants gelten, oder bei Fahrten, die sportlichen Aktivitäten dienen. Der Freizeitverkehr hat einen grossen Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen (siehe Kasten).

Die Studie befasst sich nebst dem Verlagerungspotenzial auch damit, weshalb Verkehrsteilnehmende bestimmte Verkehrsmittel wählen und welche sozialpsychologischen Mechanismen dabei im Spiel sind. Die Autoren schlagen verschiedene Massnahmen vor, um das Umsteigepotenzial auszuschöpfen, weisen aber auch auf die Schwierigkeiten bei deren Planung hin. Für eine nachhaltige Freizeitmobilität reicht es demnach nicht, lediglich auf den Ausbau der Infrastruktur zu setzen.

 

Soll sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden tatsächlich ändern, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Diese betreffen körperliche Möglichkeiten, den Besitz eines öV-Abonnements beziehungsweise eines Fahrrads, sichere und attraktive Wege sowie die Kenntnis über attraktive Routen. Entscheidend für den Erfolg von Massnahmen ist, dass sich die Akteure der Verkehrspolitik vernetzen und ihre Planungen zusammenführen.

 

Freizeitverkehr in der Schweiz


Der Freizeitverkehr macht mit gut zwei Fünftel der Wege und Distanzen mehr als die Hälfte der Wegzeit des Gesamtverkehrsaufkommens aus. Bei knapp siebzig Prozent der zurückgelegten Distanzen im Freizeitverkehr benutzen Verkehrsteilnehmende das Auto. Sie legen aber fast die Hälfte aller Etappen zu Fuss zurück, mehr als mit dem Auto (36 Prozent). Am meisten Freizeitwege mit je rund einem Fünftel sind Besuchen von Verwandten und Bekannten, der Gastronomie sowie nicht-sportlichen Aussenaktivitäten (zum Beispiel Spaziergängen) gewidmet. Aktiver Sport ist der Grund für rund jeden achten Freizeitweg.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0