100 Jahre Mittenwaldbahn - Am Jubiläumswochenende fanden zahlreiche Feste entlang der Strecke statt

Am 29. und 30. September 2012 herrschte anlässlich „100 Jahre Mittenwaldbahn grosser Bahnhof entlang der Mittenwaldbahn. Am 29. September fand in Seefeld ein Bahnhofsfest statt. Tags darauf, am 30. September 2012 in Mittenwald. Fans dieser spektakulären Bahnlinie hatten an diesem Wochenende die Gelegenheit das Flair vergangener Tage auf dieser Gebirgsbahn einzufangen. An beiden Tagen verkehrten jeweils drei Mal täglich historische Sonderzüge.

Der Sonderzug am Bahnhof Innsbruck Hötting                                Foto: Marcel Manhart

 

Die Mittenwaldbahn von Innsbruck nach Seefeld gilt heute als eine der kühnsten Alpenbahnen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste Pläne einer „Tiroler Nordalpenbahn“ von Innsbruck in Richtung Bayern. Nach mehreren Trassenstudien kristallisierte sich eine Linienführung durch die spektakuläre Martinswand auf das Seefelder Plateau und weiter über Mittenwald nach Garmisch heraus. Eine Weiterführung der Bahnlinie von Garmisch über Ehrwald nach Reutte in Tirol war ebenfalls bereits angedacht. Erste konkrete Projekte zu diesen Trassenvarianten wurden seitens Dr. Ing. Josef Riehl in den Jahren 1902 bzw. 1903 der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Durch die Unterzeichnung eines Staatsvertrages zwischen der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn und dem Königreich Bayern am 22. November 1904 wurde die Trassenführung über den Seefelder Sattel endgültig fixiert und erste konkrete Schritte zur Umsetzung des Projektes „Mittenwaldbahn“ getätigt. In den darauf folgenden Jahren wurde die, vor allem durch die spektakuläre Trassenführung bedingte, nicht unbeträchtliche Bausumme sichergestellt. Sie wurde größtenteils mittels privater Finanzierung ermöglicht.

 

Die konkrete Ausarbeitung der Trassenführung für die Mittenwaldbahn erfolgte in den Jahren 1908 und 1909 und bereits am 10. März 1910 konnte in der sagenumwobenen Martinswand der erste Spatenstich zum Bau der Mittenwaldbahn gelegt werden. Just in dieser Zeit erfolgte auch die Festlegung auf ein vereinheitlichtes neues Stromsystem von 15.000 V Wechselstrom mit 15 Perioden pro Sekunde, das bei der Elektrifizierung der Mittenwaldbahn sogleich zur Anwendung gelangen sollte.

 

Die Konzessionsurkunde für die normalspurige als Lokalbahn auszuführende Schienenverbindung zwischen Innsbruck und Reutte wurde seitens des k.k. österreichischen Eisenbahnministeriums mit 1. Juli 1910 erteilt und im Reichsgesetzblatt Nr.127 veröffentlicht. Nach nur etwas mehr als einem Jahr Bauzeit konnte am 16. Mai 1911 bereits der erfolgreiche Durchschlag des grössten Bauwerks der Mittenwaldbahn, des 1810 m langen Martinswandtunnels, gefeiert werden. Aufgrund der schlechten Qualität der vor Ort vorgefundenen Bruchsteine, wurde bei der Mittenwaldbahn erstmalig in grossen Stil im Eisenbahnwesen Stampfbeton als Baumaterial für die diversen Streckenbauten verwendet.

 

Nach nur etwas mehr als 2 ½ Jahren Bauzeit konnte die Mittenwaldbahn in zwei Etappen im Jahre 1912 bereits auf der Strecke zwischen Innsbruck und Garmisch ihren Betrieb aufnehmen. Es folgte Anfang 1913 die Fertigstellung der restlichen Strecke bis Reutte sowie die Elektrifizierung des verbliebenen, noch nicht elektrifizierten Teils zwischen Mittenwald und Garmisch. Vor allem aufgrund topografischer Vorgaben entschied man sich sehr früh die Mittenwaldbahn als elektrische Eisenbahn zur Ausführung zu bringen. Die Mittenwaldbahn gilt mit Ihrer Eröffnung am 28. Oktober 1912 als erste Elektrische Vollbahn der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn und setzte Maßstäbe für die weitere Elektrifizierung von Bahnstrecken.

 

Anfänglich als private Lokalbahn errichtet, wurde die Mittenwaldbahn bereits 23 Jahre nach deren Eröffnung mit 1. Jänner 1935 gänzlich verstaatlicht. Bereits im Vorfeld der Verstaatlichung wurden durch die pachtweise Führung des Betriebes durch die BBÖ einige Verbesserungen vor allem durch die Inbetriebsetzung neuer Triebfahrzeuge getätigt. Just in dieser Zeit der Verstaatlichung kam es durch den Einsatz der neuen „Gläsernen Züge“ sowie weiterer Aussichtswagen auf der Mittenwaldbahn zu einer deutlichen touristischen Belebung der Bahnlinie.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Mittenwaldbahn mit Ausnahme weniger Schäden relativ glimpflich überstanden hatte, erfolgten sukzessive Verbesserungen an der Infrastruktur, insbesondere im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1964 in Seefeld. Durch diese Infrastrukturmaßnahmen war die Mittenwaldbahn zu einer vollwertigen Eisenbahnstrecke geworden und konnte endgültig Ihren „Deckmantel“ als Lokalbahn ablegen.

 

Heute gilt die Mittenwaldbahn als herausragendes baugeschichtliches Denkmal der Epoche der frühen „Alpenbahnen“, die vor allem durch ihre kühnen Trassenführungen beeindrucken. Sich der Pionierleistungen der Mittenwaldbahn bewusst, stellte das österreichische Bundesdenkmalamt sämtliche Hochbauten auf der österreichischen Seite der Mittenwaldbahn im Jahre 2000 unter Denkmalschutz. In den letzten Jahren erfolgte nunmehr abermals eine schrittweise Sanierung der Mittenwaldbahn, die diese rechtzeitig zum „100 Jahr Jubiläum“ fit für die nächsten Jahrzehnte machen wird.

 

Von der Nostalgie zur Moderne 

 

Am 29. und 30. September 2012 herrschte anlässlich „100 Jahre Mittenwaldbahn großer Bahnhof entlang der Mittenwaldbahn. Am 29. September fand in Seefeld ein Bahnhofsfest statt. Tags darauf, am 30. September 2012 in Mittenwald. Fans dieser spektakulären Bahnlinie hatten an diesem Wochenende die Gelegenheit das Flair vergangener Tage auf dieser Gebirgsbahn einzufangen. An beiden Tagen verkehrten jeweils drei Mal täglich historische Sonderzüge, am Samstag, den 29. September 2012 zwischen Innsbruck und Mittenwald, am Sonntag sogar zwischen Innsbruck und Garmisch-Partenkirchen.

 

Historische Schienenoldtimer und einstige Stammgäste auf der Mittenwaldbahn, wie die Lokomotive 1245.518 aus dem Jahre 1938 und der ET 4041.01 aus dem Jahre 1929 waren an diesen beiden Tagen ebenfalls vor Ort. Der Fahrpreis für die einfache Fahrt von Innsbruck nach Mittenwald betrug 12 Euro für Erwachsene, Kinder unter 15 Jahren zahlten familienfreundliche 2 Euro in Begleitung eines Erwachsenen. Die Tickets wurden direkt in den Sonderzügen verkauft und das "Zuckerl" für die Rückfahrt gab es von den ÖBB obendrauf, denn das Sonderzugticket galt als kostenlose Rückfahrkarte in den fahrplanmässigen Zügen zwischen Mittenwald und Innsbruck.

 

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